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Biokost im Krankenhaus

Pilotprojekt zur Einführung ökologisch erzeugter Lebensmittel

Freiburg, 04.10.2005

In welchem Umfang ist es möglich, auch in einer sehr großen Klinik Biokost für die Versorgung von Personal und Patienten einzusetzen? Dies war die Ausgangsfrage einer Studie, die Ende 2003 am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung des Freiburger Umweltmediziners und Krankenhaushygienikers Professor Dr. Franz Daschner startete.

Die Einführung von Biokost in Großküchen von Krankenhäusern verfolgt mehrere Ziele. An erster Stelle stehen die gesundheitlichen Vorteile für Patienten und Mitarbeiter. Denn mehrere Untersuchungen ergaben in den letzten Jahren, dass biologisch erzeugte Lebensmittel tatsächlich ärmer an Schadstoffen und ernährungsphysiologisch hochwertiger einzustufen sind.

Das Universitätsklinikum Freiburg gibt im Personalcasino täglich 900 Essen aus und versorgt zusätzlich 1.300 Patienten mit je drei Mahlzeiten am Tag. Das regelmäßige Angebot von Biokost kann hier auf einen Schlag viele Menschen erreichen. „Krankenhausküchen bieten sich daher geradezu an, Biokost in großem Umfang populär zu machen“, so Professor Daschner.

Als regelmäßiger Großabnehmer von Bio-Produkten kann das Klinikum auch dazu beitragen, biologisch arbeitende Erzeuger der Region zu unterstützen, die es immer noch schwer haben, sich auf dem Markt zu etablieren. „Bio-Landwirte brauchen einen verlässlichen Markt, auf dem sie ihre Produkte absetzen können, nur so können sie aus ihrem Nischendasein ausbrechen. Die Küche des Universitätsklinikums Freiburg ist ein idealer Partner für die Bio-Landwirte aus der Region“, so die Einschätzung von Dr. Jürgen Mohrenstecher, Bereichsleiter der Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA).

Die Einführung von Biokost im Großklinikum der Universität Freiburg ist ein gemeinsames Projekt des Universitätsklinikums Freiburg und der „viamedica – Stiftung“ für eine gesunde Medizin. Das Pilotprojekt dient tatsächlich auch einer besseren Vermarktung ökologischer Erzeugnisse der Region, da es die regionale Landwirtschaft einbindet. Die CMA unterstützt das Projekt: „Es fördert die Zusammenarbeit von regionalen Landwirten und Abnehmern in der Region, ganz nach dem Motto „Direkt vom regionalen Landwirt auf den Klinikteller“, so
Dr. Mohrenstecher.
Konkret bezieht das Universitätsklinikum Freiburg seit Juli 2005 sämtliche frischen Karotten nur noch in Bioqualität. In den ersten beiden Monaten wurde auf das Angebot des Biogroßhandels zurückgegriffen. Seit September kommen die eigens fürs Klinikum eingesäten Möhren aus Eichstetten – auf das Jahr gerechnet werden es 17 Tonnen sein. Und auch die Kartoffeln werden „vom Bauern um die Ecke“ bezogen: „Unser langjähriger Kartoffellieferant aus Forchheim war bereit, übergangsweise extra Bioackerflächen zu pachten, bis eigene Felder auf den ökologischen Landbau umgestellt sind“, so Manfred Linder, Küchen-Chef des Personalcasinos am Klinikum. Die rund 50 Tonnen frische Kartoffeln, die jährlich in der Personal- und der Zentralküche des Klinikums verarbeitet werden, unterstützen damit den Landwirt bei der Umstellung auf die Bio-Produktion.

Was spricht gegen Biokost, wenn doch erwiesen ist, dass sie gut für die Gesundheit ist? Das Problem bei der Einführung von Bioprodukten ist der Preis. „Trotz großer Sympathie für Bioprodukte geben zwei Drittel der Verbraucher zu hohe Preise als Grund dafür an, dass sie selten Bioprodukte kaufen,“ erklärt Thilo Bode, Geschäftsführer von „foodwatch e.V.“. Die Wettbewerbsfähigkeit der Bio-Produkte könne nur dann verbessert werden, wenn in der Landwirtschaft das Verursacherprinzip durchgesetzt und die hohen Kosten für Umweltschäden in den Herstellungspreis eingerechnet würden.

Die Uniklinik Freiburg steht täglich vor der Herausforderung, ihren Patienten und Mitarbeitern ein qualitativ hochwertiges Essen anzubieten und das möglichst preiswert. Das Projekt soll zeigen, dass der Spagat zwischen einer gesunden, ökologischen Verpflegung und einem starken Kostendruck machbar ist.



Kontakt:

Prof. Dr. Franz Daschner
Geschäftsführender Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg
Tel. 0761 / 270-5470
Fax 0761 / 270-5485
eMail Franz.Daschner@uniklinik-freiburg.de

Sabine Jörg
Centrale Marekting-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH
Tel. 0228 / 847-260
eMail sabine.joerg@cma.de