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Unterstützung für "Schwerstarbeiter im Klassenzimmer"

Freiburger Kongress zum Thema "Gesundheit in der Schule"

Freiburg, 25.11.2005

„Gesundheit in der Schule“ lautet das Thema des „1. Freiburger Lehrertages“, der am 26. November 2005 von der Abteilung Psychosomatische Medizin der Uniklinik Freiburg ausgerichtet wird. Die Themen widmen sich sowohl der Schüler- als auch der Lehrergesundheit, welche die Freiburger Mediziner in einem Zusammenhang sehen. Redebeiträge von Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Hannover, Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt, Psychologisches Institut der Universität Potsdam, und Prof. Dr. Joachim Bauer, Abteilung Psychosomatische Medizin der Uniklinik Freiburg, werden ergänzt durch zahlreiche Workshops für Lehrerinnen und Lehrer. „Hohe Beanspruchung, permanentes Arbeiten gegen hohen Widerstand und geringe Anerkennung sind der ideale Mix, um die biologischen Systeme des Körpers in Richtung Krankheit zu lenken“ so Professor Bauer, Leiter eines von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) geförderten Präventionsprojektes in Sachen Gesundheit an der Schule. Studien zeigten, dass sowohl Lehrer als auch Schüler in einem hohen Maße von Gesundheitsstörungen betroffen seien. „Dagegen wollen wir etwas tun“, sagt Bauer.

„Ein Unterricht mit Schülerinnen und Schülern, die gesundheitlich nicht fit und in Teilen durch schwere Verhaltensstörungen beeinträchtigt sind, hat nicht nur schlechte Lernleistungen zur Folge, sondern schlägt am Ende auch auf die Gesundheit der Lehrkräfte durch“, so der Mediziner. Nach einer auswärtigen Untersuchung des Gesundheitsamtes Stuttgart (Schmidt-Lachenmann und Kollegen, Jugendgesundheitsstudie Stuttgart 2000) weisen über 50 Prozent aller Schülerinnen und Schüler chronische, überwiegend durch die Lebensführung bedingte gesundheitliche Beschwerden auf. Über 15 Prozent aller Schülerinnen und Schüler leiden nach einer Studie der Uniklinik Aachen an „harten“, krankheitswertigen psychischen Störungen. Bei den Lehrern zeigen nach einer Studie der Freiburger Gruppe um Joachim Bauer 20 Prozent eine massive Belastung mit stressbedingten Gesundheitsstörungen. In Baden-Württemberg scheiden derzeit circa 40 Prozent der Lehrer/innen wegen massiver Gesundheitsstörungen vorzeitig aus dem Schuldienst aus, wobei psychosomatische, durch Dauerstress verursachte Erkrankungen an der Spitze stehen.

„Lehrerinnen und Lehrer sind Schwerstarbeiter im Klassenzimmer“, so Bauer. Die Freiburger Arbeitsgruppe bietet Lehrerinnen und Lehrern derzeit daher ein längerfristiges Programm zur Bewahrung ihrer Gesundheit an. Möglich wurde das Projekt durch die Unterstützung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) in Berlin. Zentraler Bestandteil des Freiburger Programms sind Coachinggruppen, in denen über insgesamt zehn Sitzungen eine programmatische Themenauswahl bearbeitet wird. Voruntersuchungen der Freiburger Gruppe zeigen, dass Lehrer destruktives Schülerverhalten als erstrangigen Belastungsfaktor erleben. Ziel der Coachinggruppen ist es daher insbesondere, die Kompetenz der Lehrkräfte zu verbessern, mit schwierigen interpersonellen Situationen umzugehen. „Anders als manche außerhalb der Schule annehmen, ist ein Kind kein Aktenordner, in welchen bürokratisch normierte Wissensbestände Blatt um Blatt eingeheftet werden“, so Bauer. Die Kunst des Unterrichts bestehe in der Gestaltung einer Beziehung, die Lehren und Lernen möglich macht. Beziehungsgestaltung ist die Infusionsleitung, über die Bildungsinhalte vom Lehrenden zum Lernenden transferiert wird. „Hier setzen unsere Coachinggruppen an, die wir im Rahmen des derzeit laufenden Gesamtprojektes anbieten“.



Kontakt

Prof. Dr. Joachim Bauer
Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstr. 8
79104 Freiburg
Tel. 0761 – 2706539
E-mail: joachim.bauer@uniklinik-freiburg.de