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Ehrendoktor für Dostoevskij-Übersetzerin Swetlana Geier

Festakt im Haus „Zur Lieben Hand“

Freiburg, 09.07.2007


Im Rahmen eines Festaktes verleiht die Gemeinsame Kommission der Philologischen, Philosophischen und Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftlichen Fakultät

am Dienstag, den 10. Juli 2007 um 18 Uhr c.t.
im Haus „Zur Lieben Hand“
Swetlana Geier

die Ehrendoktorwürde.

Die Feier wird vom Rusisschen Chor der Universität Freiburg musikalisch umrahmt. Prof. Dr. Horst-Jürgen Gerigk (Universität Heidelberg) hält den Festvortrag zum Thema „Dostoevskij in Deutschland“.

Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten der Universität Freiburg hat die Dekanin der Philologischen Fakultät, Prof. Dr. Elisabeth Cheauré, die Initiative ergriffen, mit Swetlana Geier eine Persönlichkeit zu ehren, die als die bedeutendste zeitgenössische Übersetzerin aus dem Russischen im deutschsprachigen Raum gelten kann.

Mit der Verleihung des Grades einer Doktorin honoris causa soll das Lebenswerk von Swetlana Geier gewürdigt werden, ihre herausragenden Verdienste als Übersetzerin und begnadete Kulturvermittlerin und ihre langjährige, außergewöhnlich erfolgreiche Tätigkeit an der Universität Freiburg. Swetlana Geier hat durch ihre Arbeit als Lektorin für Russisch am Slavischen Seminar Generationen von Studierenden bis heute tief geprägt hat.

Die Auszuzeichnende übersetzte seit 1953 zahlreiche russische Autoren ins Deutsche, so unter anderen Lev Tolstoj, Michail Bulgakov, Andrej Belyj, Abram Terc (Andrej Sinjavskij) und Alek­sandr Solženicyn. In den letzten 15 bis 20 Jahren ist Swetlana Geier vor allem als die Dostoevskij-Übersetzerin weit über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt geworden. Sie rückte vor allem die besondere sprachliche Qualität der Werke Dostoevskijs in den Mittelpunkt und betrat damit – zumindest für den deutschen Sprachraum – absolutes Neuland. Dabei scheute sie sich auch nicht, altbekannte Titel neu zu formulieren. So fand sie anstelle des gewohnten Titels „Schuld und Sühne“ den neuen „Verbrechen und Strafe“, der diesen Text der Weltliteratur zum ersten Mal im Sinne des russischen Originals übersetzt.

Bemerkenswert ist auch ihre Übersetzung russischer Volksmärchen aus der berühmten Sammlung von Afanas’ev. Auch damit zeigt sich Swetlana Geier unter den zahlreichen Personen, die sich um die Rezeption der russischen Literatur in Deutschland verdient gemacht haben, als eine der rührigsten und sicherlich auch als diejenige mit dem breitesten Interesse und den besten Kenntnissen der russischen Kultur. Davon zeugt etwa die von ihr herausgegebene Anthologie „Rußland lesen“, die anlässlich der Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen 2003/2004 in einer sechsbändigen Kassette ediert wurde.

 

 

Kontakt:
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Slavisches Seminar
Prof. Dr. Elisabeth Cheauré

Tel.: 0761/2921033 oder
        0761/203-2424 (Dekanat)
E-Mail: elisabeth.cheaure@slavistik.uni-freiburg.de

 



Lebenslauf von Swetlana Geier

 Swetlana Geier wurde am 26. April 1923 in Kiew als Swetlana Iwanowa als Tochter russischer Eltern geboren. Ihr Vater wurde 1938 im Zuge des Stalinistischen Terrors verhaftet und starb 1939 an den Folgen der Haft. 

 
Die zu Ehrende erhielt schon früh Privatunterricht in Französisch und Deutsch. 1941, im Jahr des Überfalls der Deutschen auf die Sowjetunion, machte sie ihr Abitur mit Bestnoten und nahm das Studium westeuropäischer Sprachen in Kiew auf. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Kiew nahm sie eine Stelle als Dolmetscherin auf der dortigen Baustelle der Dortmunder Brückenbau AG an, offenbar mit der Aussicht, nach einem Jahr ein Stipendium zu erhalten. 1943, nach der Niederlage der deutschen Truppen in der Schlacht von Stalingrad, musste das Unternehmen seine Tätigkeit in Kiew einstellen. Swetlana Iwanowa war sich bewusst, dass sie wegen ihrer Arbeit für die Deutschen für ihre Landsleute eine Kollaborateurin war und entschloss sich daher, zusammen mit ihrer Mutter der Baufirma nach Deutschland zu folgen. Sie wurden festgenommen und kamen in ein Lager für „Ostarbeiter“ in Dortmund, dem sie mit Hilfe von Freunden nach einem halben Jahr entkommen konnten.

Nach einer Begabtenprüfung erhielt Swetlana Iwanowa ein Humboldt-Stipendium, wodurch ihr Traum von einem Studium verwirklicht wurde. Sie zog mit der Mutter nach Günterstal, wo Swetlana Geier heute noch wohnt, und nahm 1944 an der Universität Freiburg ein Studium der Literaturwissenschaft und vergleichenden Sprachwissenschaft auf. Sie heiratete (ihren Nachnamen Geier erhielt sie von ihrem Mann) und bekam zwei Kinder.

Swetlana Geier wurde 1960 Lektorin für russische Sprache an der Universität Karlsruhe. Darüber hinaus war sie von 1964 bis 1988 Lektorin für Russisch am Slawischen Seminar der Universität Freiburg. Von 1979 bis 1983 nahm sie einen Lehrauftrag für Russische Sprache und Literatur an der Universität Witten-Herdecke wahr.

Für ihre herausragenden Verdienste um die Vermittlung russischer Kultur, Geschichte und Literatur erhielt Swetlana Geier bisher zahlreiche Auszeich­nungen:

1994 Anerkennungsstipendium des Landes Baden-Württemberg

1994 Jäggi-Preis der Basler Buchhandlung

1995 Leipziger Übersetzungspreis für Europäische Verständigung

1995 Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg

1998 Verdienstmedaille der Universität Karlsruhe

1998 Goldene Eule der Deutschen-Sokratischen Gesellschaft, Mannheim

2001 Wilhelm-Merton-Preis der Gontard und Metallbank AG, Frankfurt a.M.

2003 Anerkennungsmedaille des Landes Baden-Württemberg

2004 Ehrendoktorwürde der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel

2007 Übersetzerpreis der Buchmesse Leipzig

 


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