Doping-Untersuchungskommission des Universitätsklinikums Freiburg legt Zwischenbericht vor
Freiburg, 20.03.2008
Die vom Vorstand des
Universitätsklinikums in Abstimmung mit dem Rektor der Universität berufene
externe Untersuchungskommission hat einen Zwischenbericht vorgelegt und heute bei
einer Pressekonferenz präsentiert. Da die Universitäts- und Klinikumsleitung
der Kommission freigestellt haben, den Zwischenbericht zu veröffentlichen, wird
die Kommission ihren Bericht jedem frei zugänglich machen.
Damit
wird die rigorose Aufklärungspolitik von Universität und Klinikum fortgesetzt,
die sofort nach Bekanntwerden von ersten Dopingvorwürfen Ende April 2007
handelten: Unter dem Druck von Klinikumsvorstand und dem Rektor der Universität
hatten die Mediziner Prof. Dr. Andreas
Schmid und Dr. Lothar Heinrich am
23. Mai 2007 zugegeben, sich am Doping aktiv beteiligt zu haben, woraufhin sich
die Universität mit sofortiger Wirkung von den beiden Medizinern trennte. Dr. Georg
Huber räumte am 29. Mai 2007 bei einer Befragung durch den Klinikumsvorstand
ein, in der Zeit von 1980 bis 1990 einzelnen U23-Straßenradfahrern Testosteron
verabreicht zu haben. Dr. Huber wurde daraufhin suspendiert.
Innerhalb weniger Tage
richteten Universität und Klinikum eine externe Untersuchungskommission ein,
die durch den Klinikumsvorsitzenden, Prof. Dr. Matthias Brandis, den Auftrag erhielt, alle Fakten im Zusammenhang
mit Vorwürfen gegen Freiburger Sportmediziner zu ermitteln. Gleichzeitig setzte
der Klinikumsvorstand die Betreuung von Leistungssportlern zunächst aus und gab
einzelne Bereiche erst nach einem Bescheid der Untersuchungskommission wieder
frei. Für den gesamten Straßenradsport blieb die Betreuungssperre bis heute
aufrecht erhalten.
Die Kommission arbeitete
seither mit Hochdruck an der Aufklärung aller Vorwürfe. Zusätzlich hatte der
Rektor der Universität, Prof. Dr. Wolfgang
Jäger, eine unabhängige externe Kommission mit hochrangigen Gutachtern zur
Evaluierung der Freiburger Sportmedizin eingesetzt.
Die Kommission, der der Jurist
Dr. Hans-Joachim Schäfer, der
Biochemiker Professor Wilhelm Schänzer
und der Pharmakologe Professor Ulrich
Schwabe angehören, konnte ermitteln, dass die Dopingpraktiken der Ärzte
Prof. Dr. Andreas Schmid und Dr. Lothar Heinrich in sachlichem und zeitlichem
Umfang deutlich über das von ihnen eingeräumte Maß hinausgehen. Auch
hinsichtlich Dr. Georg Huber liegen weitergehende Erkenntnisse vor.
Ein wesentliches Ergebnis des
Kommissionsberichts ist die Aufdeckung der gängigen Praxis der Rennställe, die
das Team betreuenden Ärzte zusätzlich und ohne Kenntnis des
Universitätsklinikums zu entlohnen.
Diverse Unterlagen lassen den
Schluss zu, dass neben Dr. Heinrich auch Prof. Dr. Schmid sowie Dr. Andreas
Blum und Dr. Stefan Vogt entsprechende Zahlungen erhalten haben. Dr. Blum war
vom
1. Juli 2001 bis 31. Dezember 2006 am Universitätsklinikum beschäftigt. Das
Arbeitsverhältnis mit Dr. Vogt, der am Universitätsklinikum seit 1. Mai 2002
tätig war, wurde nach Bekanntwerden solcher Zahlungen sofort fristlos
gekündigt.
Gegen Dr. Heinrich und Prof.
Schmid wurden vom Universitätsklinikum Freiburg bereits Klagen beim
Arbeitsgericht Freiburg auf Erstattung von unrechtmäßigen Einnahmen erhoben.
Entsprechende Schritte gegen Dr. Blum und Dr. Vogt sind in Vorbereitung.
Es liegen keine Erkenntnisse
vor, dass abgesehen von diesen vier Ärzten weitere Ärzte Zahlungen erhalten
haben, die über Aufwandspauschalen, wie sie in verbandsärztlicher Tätigkeit
üblich sind, hinausgehen.
Auch wenn bislang keine Aussagen von Radrennfahrern für den Zeitraum
2001 bis 2005 vorliegen, hält es die Kommission für wahrscheinlich, dass auch
in dieser Zeit gedopt wurde. Dafür sprechen nicht nur die zusätzliche Vergütung von
Ärzten durch die Rennställe, sondern auch die vom Universitätsklinikum Anfang
Dezember 2007 aufgedeckten Datenmanipu-lationen durch Anlage „fiktiver“
Patienten. Solche Namen von angeblich 2005 im Universitätsklinikum behandelten
Patienten sind beispielsweise "Maier, Ulrich, geboren am 02.12.1937"
und "Mayer, Alexander, geboren am 02.07.1943". (Die Tour de France
2005 begann am 02.07.2005.)
Hinsichtlich des Eigenblutdopings im Jahr 2006
geht die Kommission davon aus, dass über die der Öffentlichkeit bekannten
Angaben eines ehemaligen Team-Telekom-Profis hinaus, sich weitere
Teamangehörige solchen Behandlungen unterziehen ließen.
Für eine
Verstrickung des Ärztlichen Direktors der Abteilung Rehabilitative und
Präventive Sportmedizin, Prof. Dr. Hans-Hermann Dickhuth, und weiterer
Mitarbeiter hat die Kommission bislang keine Anhaltspunkte gefunden.
Der Rektor der Universität,
Professor Dr. Wolfgang Jäger, und der Vorsitzende des Universitätsklinikums,
Professor Dr. Matthias Brandis, dankten den Mitgliedern der Kommission für ihre
engagierte und zeitaufwändige Arbeit und sicherten zu, die Kommission und die Ermittlungsbehörden
weiterhin in jeder Weise in ihrer Arbeit zu unterstützen. Ziel der Universität
und des Universitätsklinikums sei es, die Dopingpraktiken vollständig und
rückhaltlos aufzuklären.
Der Zwischenbericht ist im Internet unter der
Homepage der Untersuchungskommission zu finden: www.dopingkommission-freiburg.de
