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Zahl der Patienten mit bösartigen Asbest-induzierten Rippenfelltumoren steigt

Sterblichkeitsrate bei früher Diagnose sinkt dank Kombination von medikamentöser Therapie, Operation und Strahlentherapie

Freiburg, 18.04.2008

Obwohl die Verarbeitung und Verbauung von Asbest seit vielen Jahren nicht mehr erlaubt ist, werden die Mediziner jetzt mit den Langzeitfolgen des Stoffes konfrontiert. Pleuramesotheliome sind Tumore, die am Rippenfell wachsen. Fast 90 Prozent aller Rippenfelltumor-Erkrankungen lassen sich auf die tückischen Asbestfasern zurückführen. Nach Angaben des Deutschen Mesotheliomregisters hat sich die Zahl der Mesotheliome seit 1990 mehr als vervierfacht. Internationalen Prognosen zufolge ist mit einem weiteren Anstieg der Zahlen in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu rechnen, da zwischen der Asbestexposition und dem Auftreten des Rippenfellkrebses häufig bis zu 30 Jahre vergehen.

Vor rund 15 Jahren endete der Siegeszug des Asbests, einer Gruppe natürlich vorkommender Mineralfasern, die insbesondere wegen ihrer hohen Hitzebeständigkeit seit Anfang des 20. Jahrhunderts gerne in Baustoffen und Elektrogeräten eingesetzt wurden. Lange, nachdem die tödliche Gefahr, die von dem einst vielgepriesenen Wunderstoff ausging, offenbar wurde, kam es im Jahr 1993 endlich zu einem umfassenden Verbot des Stoffes. Doch das Problem Asbest war damit nicht behoben.

„Während vor rund 20 Jahren die Diagnose eines Rippenfelltumors noch eher selten war, stellen sich bei uns heute fast wöchentlich neue Patienten vor, bei denen die Asbest-induzierten Tumore diagnostiziert werden,“ so Prof. Dr. Bernward Passlick, Ärztlicher Direktor der Abteilung Thorax-chirurgie am Universitätsklinikum Freiburg bei einer Pressekonferenz anlässlich eines nationalen Symposiums zum Pleuramesotheliom in Freiburg.

Dies erklärt sich durch die oftmals enorm lange Zeit zwischen der Exposition und der Krankheitsentstehung. Prof. Dr. Volker Mersch-Sundermann, Ärztlicher Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg: „Es ist daher weiterhin mit einer konstanten Zahl Asbest-induzierter Tumorerkrankungen zu rechnen, voraussichtlich bis zum Jahr 2020.“ Das Gefahrenpotenzial von Asbest bestimmt sich über die Struktur und Geometrie der winzig kleinen Fasern, die über die Atemluft aufgenommen werden. „Relevant für die Entstehung von Tumoren sind die langen und dünnen Fasern, mit einem Verhältnis von Länge zu Durchmesser im Verhältnis von größer als 3:1“, so der Umweltmediziner. In fest gebundener Form ist der Stoff nicht unmittelbar für die Gesundheit gefährlich. Eine hohe Expositionsdosis erhöht das Risiko für die Erkrankung. Doch das Mesotheliom kann bereits bei einer verhältnismäßig geringen Einwirkung von Asbestfaserstaub verursacht werden.

Viele Menschen leben lange mit Asbestfasern und ahnen nichts von der tödlichen Gefahr, die sich langsam in ihrem Körper aufbaut. Die Stäbchen, die allen Attacken der Abwehrzellen des Körpers standhalten, gewinnen mit der Zeit durch die ihnen anhaftenden abgestorbenen Zellen an Umfang und reizen damit immer stärker die Lunge. Es kommt zur Vernarbung des Gewebes und schließlich zum Tumorwachstum. Oftmals hatten die Patienten bis kurz vor der bitteren Diagnose wenig Beschwerden. Doch wird der Tumor entdeckt, bleibt ihnen häufig kaum noch Lebenszeit.

„Patienten mit fortgeschrittenen Stadien von Mesotheliomen können häufig nur noch palliativ medikamentös behandelt werden“, so Prof. Dr. Cornelius Waller, Oberarzt der Abteilung Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Mit der Chemotherapie können wir den Tumor zeitweise im Wachstum stoppen und Schmerzen lindern. Für eine chirurgische Therapie, die in Kombination mit der medikamentösen Behandlung und Strahlentherapie möglicherweise eine Heilung erlaubt, ist es für diese Patienten zu spät.“  

In frühen Stadien hingegen, spielt die operative Entfernung der Tumore eine wichtige Rolle in der Therapie. Denn Tumore des Rippenfells neigen zumindest in der Anfangsphase kaum zu Metastasen. Vor 20 Jahren betrugen die Sterblichkeitsraten bei den relativ großen Operationen noch bis zu 30 Prozent. Durch die Verfeinerung der Operationstechnik und eine interdisziplinäre Betreuung der Patienten, durch die medikamentöse Behandlung vor, während und nach der Operation und anschließende Strahlentherapie, ist es heute in vielen Fällen möglich, den Tumor am Ort seiner Entstehung vollständig zu bekämpfen.

„Leider hat sich gezeigt, dass häufig nach einer guten lokalen Therapie, Tumore an anderer Stelle entstehen. Es ist dringend erforderlich, die medikamentöse Therapie weiterzuentwickeln, um dies zu verhindern“, fordert Professor Passlick.

Kontakt:
Prof. Dr. Bernward Passlick
Ärztlicher Direktor der Abteilung Thoraxchirurgie
Tel.: 0761 / 270-2455
E-Mail: bernward.passlick@uniklinik-freiburg.de
www.uniklinik-freiburg.de/thoraxchirurgie