Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Newsroom Pressemitteilungen … Angelinas zweiter Geburtstag im …

Angelinas zweiter Geburtstag im ersten halben Lebensjahr:

Start in ein normales Leben mit einem transplantierten Herzen

Freiburg, 29.10.2008

Bevor Angelina vor rund einem halben Jahr zur Welt kam, waren die werdenden Eltern schon alarmiert. Die Pränataldiagnostiker und die Kinderkardiologen an der Universitätsklinik Freiburg hatten bei dem Säugling noch im Bauch der werdenden Mutter einen Herzfehler festgestellt. So war bereits während der Schwangerschaft klar, dass das Kind mit einem ungewöhnlich großen Loch in der Herzscheidewand, einem Ventrikelseptumdefekt, zur Welt käme und dass die Tochter schon ganz früh in ihrem Leben, am Herzen operiert werden müsse.

Der Eingriff wurde schon bald nach der Geburt in der Kinderherzchirurgie des Klinikums durchgeführt. Doch obwohl die Operation erfolgreich war, verschlechterte sich der Zustand der kleinen Angelina nach einer kurzen Erholungsphase zunehmend. Eine Biopsie zeigte, dass Angelina neben ihrem Herzfehler auch eine Herzmuskelschwäche hatte, sie litt unter einer so genannten restriktiven Kardiomyopathie. Nur wenige Wochen konnte das Kind zu Hause sein, mit vielen Medikamenten versorgt, bevor sie als Notfall wieder in der Kinderklinik des Universitätsklinikums aufgenommen werden musste. Nun war die Herzmuskelschwäche so weit fortgeschritten, dass sie nur noch auf der Intensivstation überleben konnte.

Angelina wurde auf die Liste für ein Spenderorgan gesetzt, mit höchster Dringlichkeitsstufe. Und sie hatte Glück, denn bereits nach vier Wochen fand sich ein passendes Spenderorgan. Ohne dieses Organ wäre Angelina in den nächsten Wochen gestorben, so die Prognose der Kinderkardiologin Professor Dr. Brigitte Stiller. Mit dem neuen Organ hat sich die Prognose grundlegend gewandelt: „Angelina trinkt und isst gut, lacht viel und gedeiht prima. Schon eine Woche nach der Transplantation ging es ihr besser als jemals in ihrem Leben zuvor.“

Die Ärztin, die in den vergangenen vierzehn Jahren im Deutschen Herzzentrum Berlin mehr als 130 Kinder und Jugendliche vor und nach der Transplantation intensivmedizinisch betreut hat, sagt der kleinen Angelina eine voraussichtlich ganz normale neurologische, motorische und mentale Entwicklung voraus. „Wie jeder herztransplantierte Mensch, wird Angelina lebenslang Medikamente einnehmen müssen, um die Abstoßung des fremden Organs zu unterdrücken. Ansonsten wird sie aber voraussichtlich ein ganz normales Leben führen können, mit allem was dazu gehört: Sie wird in den Kindergarten und in die Schule gehen können, Urlaube verbringen, Sport treiben und Diskotheken besuchen können.

Die kleine Angelina ist der erste Säugling, der in Freiburg herztransplantiert wurde und bisher das jüngste Kind, das jemals in Baden-Württemberg transplantiert wurde. Die Kinderherzklinik des Universitätsklinikums Freiburg ist eines von sehr wenigen Zentren in Deutschland und neben Heidelberg das einzige Zentrum in Baden-Württemberg mit diesem Versorgungsangebot. Zu den besonderen Voraussetzungen für ein solches Angebot am Standort Freiburg gehören neben den Kinderherzchirurgen und den Kinderkardiologen, die eng zusammenarbeiten, auch die Immunspezialisten der Kinderklinik sowie spezielle, ausgefeilte Labormöglichkeiten. Nur so kann eine erfolgreiche Langzeitbetreuung auch der Allerkleinsten sichergestellt werden.

Doch auch die vereinten Anstrengungen der Spezialisten würden dem schwerkranken Kind nicht helfen, wenn nicht die Eltern eines anderen Kindes, das nicht überleben konnte, der Organspende zugestimmt hätten. Angelina hätte ohne das Spenderorgan nicht mehr lange gelebt. Das Leben wurde ihr vor allem von einem anderen Kind geschenkt. Dies ist vielleicht ein kleiner Trost für dessen Familie.


Kontakt:
Prof. Dr. Brigitte Stiller
Ärztliche Direktorin der Klinik III, Angeborene Herzfehler / Pädiatrische Kardiologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Tel.: 0761/270-4323

E-Mail: brigitte.stiller@uniklinik-freiburg.de
abgelegt unter: