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Hilfe für „schwere“ Herzen

Studie erforscht Zusammenhang zwischen Depression und koronarer Herzkrankheit

Freiburg, 27.11.2008

Eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg versucht, neue Therapien beim Zusammentreffen von Depression und koronarer Herzkrankheit wie Herzkranzgefäßverengung oder Herzinfarkt zu entwickeln. Erste Patienten werden im Dezember 2008 in das Programm aufgenommen.

„Der Einfluss einer Depression auf die Entstehung und den Verlauf einer koronaren Herzerkrankung ist gesichert“, erklären Professor Dr. Christoph Bode, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Kardiologie und Angiologie und Professor Dr. Kurt Fritzsche, Oberarzt der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Aus zahlreichen Studien ist Wissenschaftlern bereits bekannt: Eine Depression erhöht das Risiko,  eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln. Und bei einer bestehenden Herzerkrankung können selbst leichtere depressive Verstimmungen die Aussicht auf Genesung verschlechtern. Eine kurzfristige Verhaltenstherapie wirkt bei depressiven Patienten mit koronarer Herzkrankheit kaum. Zudem können viele Antidepressiva nicht eingesetzt werden, weil sie auf das Herz-Kreislauf-System starke Nebenwirkungen haben. „Dementsprechend kann beim momentanen Stand der Wissenschaft nicht beantwortet werden, welche Behandlung den Teufelskreis zwischen einer Depression und der Herzerkrankung durchbrechen kann“, so Professor Dr. Kurt Fritzsche.


Die Studie soll gezielt Patienten helfen, die bereits eine koronare Herzerkrankung haben und unter depressiven Verstimmungen leiden, weil sie mit ihren negativen Gefühlen nicht gut umgehen können. Diese Patienten haben ein besonders hohes Risiko, eine Herzerkrankung zu entwickeln oder an ihren Folgen zu versterben. Als gefährdet gelten Herzpatienten, die typische Verhaltensweisen des sogenannten „Distressed Personality Type“ aufweisen. Typisch ist, dass sie  vermehrt zu negativen Gefühlen wie Ärger, Niedergeschlagenheit oder Sorgen neigen. Sie verstecken diese aber vor anderen Menschen, weil sie Hemmungen haben, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Die Folge: Die seelischen Belastungen werden nicht ausreichend abgebaut, was dazu führen kann, dass Herz und Seele krank werden.

„Wir nehmen an, dass solche tief liegenden Persönlichkeitsmerkmale die Entstehung einer Depression begünstigen und eine Genesung behindern“, sagt Professor Dr. Kurt Fritzsche. Die Freiburger Studie bietet deshalb ein gestuftes Therapieangebot an. Nach insgesamt drei Einzelgesprächen besteht die Möglichkeit, an einer Gruppentherapie teilzunehmen, in der die Patienten gezielt lernen sollen, ihre krankmachenden Muster zu durchbrechen. Inwieweit dieses Angebot besser ist als die bisherige Behandlung, versuchen die Forscher mit Hilfe einer Kontrollgruppe herauszufinden, die keine psychotherapeutische Betreuung erhält.

Die Studie wird insgesamt über fünf Jahre laufen und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit cirka einer Million Euro gefördert. Zehn Kliniken sind beteiligt. Erste Ergebnisse der Studie werden 2013 erwartet.

 

 

Kontakt:
Prof. Dr. Kurt Fritzsche
Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Tel.: 0761/ 270- 6871
Fax: 0761/ 270- 6885
E-Mail: kurt.fritzsche@uniklinik-freiburg.de

 

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