Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Newsroom Pressemitteilungen … Kulturlandschaft als Handelsware?

Kulturlandschaft als Handelsware?

Innovativer Verbund für wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisorientierte Lösungskonzepte eingerichtet

Freiburg, 07.07.2009

Im Rahmen einer interdisziplinären Nachwuchsgruppe geht das Institut für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg eine Kooperation mit der traditionsreichen Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein. Beteiligt sind zudem die beiden ebenfalls in Berlin ansässigen Institute Ecologic und Öko-Institut e.V., die in der Politikberatung aktiv sind. Die Gruppe wird im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunkts „Sozial-ökologische Forschung (SÖF)“ mit 1,76 Millionen Euro gefördert und widmet sich dem Thema „Marktbasierte Instrumente für Ökosystemleistungen – Triebkräfte, Wirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten am Beispiel von Klima- und Naturschutz in mitteleuropäischen Kulturlandschaften“.

Die Kulturlandschaften Europas erbringen eine Vielzahl von Leistungen, die bislang wenig von der Gesellschaft wahrgenommen, anerkannt und entgolten werden so genannte „Ökosystemleistungen“. Dies sind unter anderem die Regulation des Klimas, die Bodenbildung, Hochwasserschutz und kulturelle Leistungen für Tourismus und Naherholung. Weltweit hat sich in den vergangenen Jahren der Trend verstärkt, solche Leistungen in kommerzielle Güter zu transformieren und auf Märkten zu handeln. Beispielsweise entstanden im Rahmen der Verhandlungen zur zukünftigen Klimaschutzpolitik vielerorts Marktmodelle für die Erhaltung von Wäldern. Regional weit verbreitet sind zudem Kooperationen zum Trinkwasserschutz in Form von privaten Verträgen zwischen Landwirten und Trinkwasserproduzenten. Noch ist allerdings kaum absehbar, welche Auswirkungen solche Mechanismen auf Ökosysteme, Landschaften und Landnutzung haben, falls sie großflächig zum Tragen kommen.

Im Rahmen des Förderschwerpunktes „Sozial-ökologische Forschung (SÖF)“ unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsprojekte, die zur Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen an der Schnittstelle von Umwelt und Gesellschaft arbeiten.

Das BMBF hat die Förderung einer Nachwuchsgruppe bewilligt, deren Ziel es ist, das Verständnis der Beziehungen zwischen marktbasierten Instrumenten, Ökosystemleistungen und Lebensqualität in mitteleuropäischen Kulturlandschaften zu verbessern. Sieben Postdoktoranden und Doktoranden werden die vielfältigen Leistungen von Kulturlandschaften in den Bereichen Klima- und Naturschutz erfassen. Die aus Forst-, Agrar-, Politikwissenschaftlern und Umweltökonomen zusammengesetzte Gruppe wird ihre Untersuchungen exemplarisch in den Biosphärenreservaten Schwäbische Alb und Oberlausitz durchführen. Sie strebt dabei an, die Konflikte verschiedener Nutzungsansprüche an Landschaften sichtbar zu machen und konkrete Möglichkeiten zu einer Abstimmung von Klimaschutz-, Naturschutz- und weiteren Zielen der Landnutzung aufzuzeigen. „Vor allem werden wir gemeinsam mit den örtlichen Landnutzern die Möglichkeiten der nachhaltigen Gestaltung von marktbasierten Anreizinstrumenten in den Blick nehmen“, erklärt Dr. Tobias Plieninger, Leiter der Nachwuchsgruppe.

Das Projekt wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Institut für Landespflege der Universität Freiburg, dem Ecologic Institut, Berlin, und dem Öko-Institut e.V. getragen. „Mit diesem innovativen Verbund aus einer Wissenschaftsakademie, einer Universität und zwei Politik beratenden Instituten will das Vorhaben gleichermaßen wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen und praxisorientierte Lösungsansätze im Spannungsfeld von Landnutzung, Naturschutz und Klimaschutz entwickeln“, so Plieninger.

Kontakt:
Dr. Claudia Bieling
Institut für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tennenbacher Str. 4
79106 Freiburg
Tel.: +49 (0)761 203 3818
Fax: 049 (0)761 203 3638
E-Mail: claudia.bieling@landespflege.uni-freiburg.de

Dr. Tobias Plieninger
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 20370 538
Fax: +49 (0)30 20370 214
E-Mail: plieninger@bbaw.de
http://sozialoekologie.bbaw.de

abgelegt unter: , ,