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Würdigung exzellenter Forschungsleistungen

Universität Freiburg und Pfizer verliehen die Pfizer-Forschungspreise 2009

Freiburg, 06.11.2009

Würdigung exzellenter Forschungsleistungen

Fotograf: Thomas Kunz

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Arzneimittelhersteller Pfizer zeichneten junge Freiburger Forscherinnen und Forscher für ihre herausragenden Doktorarbeiten mit dem „Pfizer Forschungspreis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Universität Freiburg“ aus. In diesem Jahr erhielten Dr. Felicitas Lewrick, Dr. Alexis Hofherr und Dr. Stephan Kutik aus den Fakultäten Pharmazie, Medizin und Biologie die mit je 2.500 Euro dotierte Auszeichnung. Der mit 8.000 Euro ausgestattete „Deutsche Pfizer Forschungspreis für Medizin“, der in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben wurde, geht an Prof. Dr. Dr. Thomas Thum von der Medizinischen Hochschule Hannover. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury seine hervorragenden und hochaktuellen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Herzerkrankungen.

„Die Vergabe der Pfizer Forschungspreise gilt als ein Leuchtturm der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, auf den wir sehr stolz sind“, sagte der Rektor der Universität, Professor Dr. Hans-Jochen Schiewer, bei der diesjährigen Verleihung der Preise in Freiburg. Seit mittlerweile 43 Jahren werden die Preise zum Wohl der Wissenschaft und zur Förderung des Nachwuchses verliehen. In seiner Rede berichtete der Rektor über neueste Entwicklungen im Bereich Forschung der Universität Freiburg. Zu den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Lebenswissenschaften zählt das im Juni 2009 eröffnete „Zentrum für Biosystemanalyse ZBSA“. Es vereint als erstes Forschungszentrum in Deutschland die systembiologische Datenerhebung mehrerer Forschungsbereiche in einem Institut. Als richtungsweisend auf dem Gebiet der Materialwissenschaften stellte er das „FIT Freiburger Zentrum für interaktive Werkstoffe und bioinspirierte Technologien“ vor, das, vorausgesetzt die komplementäre Bundesfinanzierung wird bewilligt, auf dem Campus der Technischen Fakultät gebaut werden soll. Mit dem neuen Zentrum soll eine Plattform für die fach- und institutionenübergreifende Grundlagenforschung über interaktive und intelligente Systeme geschaffen werden.

Auf den hohen gesellschaftlichen Nutzen der Forschung wies Jürgen Braun, Mitglied der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland, in seinen Grußworten hin. „In der Spitzenforschung stellen wir wichtige Weichen für die Zukunft unserer Gesellschaft“, erklärte Braun. „Ohne Forschergeist gibt es keine Innovationen. Ohne neues Wissen kann sich eine Gesellschaft nicht weiterentwickeln. Wissen ist die einzige Ressource, die sich bei Gebrauch vermehrt.“ Braun betonte, dass zu einem erfolgreichen Spitzenforscher neben einer hohen fachlichen Kompetenz auch Disziplin und eine gewisse Hartnäckigkeit gehören. Dass Forschung nicht immer geradlinig verlaufe, wisse man auch beim Arzneimittelhersteller Pfizer: Aus Millionen untersuchter Substanzen bleibe oft nur eine Handvoll Wirkstoff-Kandidaten übrig, von denen es vielleicht einer – oft aber auch keiner – als Medikament zum Patienten schaffe. „Bei Pfizer haben wir erkannt, dass wir am besten vorankommen, wenn wir mit starken Partnern kooperieren“, sagte Braun. „Zu diesen Partnern gehört erfreulicherweise seit vielen Jahren die Freiburger Universität.“

Dr. Friedemann Schwegler, Mitglied des Aufsichtsrats von Pfizer, würdigte die Arbeiten aller Preisträger und sprach ihnen seine persönliche Anerkennung aus: „Sie verknüpfen in hervorragender Weise die medizinische Grundlagenforschung mit der praktischen Anwendung in der Klinik.“

 

Deutscher Pfizer Forschungspreis für Medizin der Universität Freiburg

Den Deutschen Pfizer Forschungspreis 2009 erhält der 34-jährige Mediziner Prof. Dr. Dr. Thomas Thum, der seit 2006 als Nachwuchsgruppenleiter und klinisch tätiger Arzt am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung und Kardiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg tätig war und aktuell dem Ruf auf eine W3-Professur für Molekulare und Translationale Therapiestrategien an die Medizinischen Hochschule Hannover gefolgt ist. Seine grundlegenden molekularbiologischen Arbeiten lassen besser verstehen, wie es zur fortschreitenden Herzschwäche, der „Herzinsuffizienz“, kommt. Darunter leiden allein in Deutschland zwei Millionen Menschen und die Zahl der Patienten steigt stetig an. Darüber hinaus hat die Herzschwäche eine ähnlich schlechte Prognose wie viele bösartige Tumore: Nur etwa jeder dritte bis vierte Patient überlebt die Diagnose länger als fünf Jahre. Thomas Thum ist es gelungen, neue Therapiekonzepte aufzuzeigen, die versprechen, die Herzinsuffizienz mit besser wirksamen Medikamenten zu behandeln.

 

Pfizer Forschungspreis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Universität Freiburg

Die Pfizer Forschungspreise für die Doktorarbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der Universität Freiburg gingen an: Dr. Felicitas Lewrick vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften. Die junge Wissenschaftlerin entwickelte ein neuartiges „Drug-Delivery-System“, das Medikamente zielgenau zu Tumorzellen im Innern des Körpers dirigieren kann. Dazu verankerte sie Moleküle, die imstande sind, Tumorzellen an Oberflächenmerkmalen zu erkennen, in der Außenhülle von kleinen wirkstoffbeladenen Hohlkugeln, sogenannten Liposomen. In ersten Versuchen im Reagenzglas und bei Untersuchungen mit Tieren konnte sich das neue System bereits beweisen.

 

Dr. Alexis Hofherr von der Fakultät für Medizin hat Ionenkanäle, so genannte Kir-Kanäle, untersucht, die sich an der Zelloberfläche etwa von Nerven- und Muskelzellen befinden. Der Nachwuchsforscher hat einen bislang unbekannten Regulationsmechanismus entdeckt, der erklären kann, wie diese Kir-Kanäle von der Zelle sortiert und in spezifische Membrandomänen verteilt werden. Eine fehlerhafte Sortierung und eine falsche Zuweisung dieser und anderer Ionenkanäle kann die Ursache von Krankheiten sein. Beispiele sind bestimmte Formen der Epilepsie, Herzrhythmusstörungen oder das Erbleiden Mukoviszidose.

 

Dr. Stephan Kutik von der Fakultät für Biologie erforschte am Institut für Biochemie und Molekularbiologie die Arbeitsweise der Mitochondrien, der Kraftwerke der Zelle, auf molekularer Ebene. Er erkannte, wie Proteine, die für die Funktion der Mitochondrien wichtig sind, von ihrer Produktionsstätte im Zytoplasma an ihren Bestimmungsort innerhalb der Zellorganelle transportiert werden, genauer, auf welche Weise die Proteine ihrer künftigen Wirkstätte in der äußeren Mitochondrienmembran zugeordnet werden. Auch die Forschungsarbeiten von Stephan Kutik eröffnen Wege, um Krankheiten, die auf einer Fehlfunktion der Mitochondrien beruhen, besser zu behandeln.

 

In ihrer Festrede zum Thema „Seltene Erkrankungen – Lektionen der Natur“ gab Prof. Dr. Leena Bruckner-Tuderman, Ärztliche Direktorin der Universitäts-Hautklinik, einen Einblick in die Erforschung seltener Krankheiten. Als selten gelten Erkrankungen, wenn weniger als 5 von 10.000 Einwohnern davon betroffen sind. Mehr als 5.000 verschiedene seltene Erkrankungen sind bekannt. „Da es nur eine geringe Anzahl von Betroffenen mit dem gleichen Krankheitsbild gibt, ist für die optimale Behandlung dieser Patienten oft wenig gesichertes Wissen aus der Forschung verfügbar“, erläuterte Bruckner-Tuderman. „Solche Krankheiten gelten als Lektionen der Natur, weil sie nur durch einen einzigen Genfehler verursacht werden.“ Um den Betroffenen zu helfen, werden in Freiburg neuartige Therapiekonzepte entwickelt. Die Forschung sei heute mehr als je zuvor an der Schnittstelle zwischen Grundlagendisziplinen und klinischer Anwendung, betonte die Dermatologin.

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