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Der Schatz im Felsen

Bei einer Wanderung zeigen Anna Chatel und Monika Nethe die bewegende Geschichte des Kandelbergs

 




Der Kandel ist der ideale Ort für Schatzsucher. Denn im Kandelfelsen liegt ein wertvoller Schatz verborgen. So heißt es zumindest in den regionalen Sagen und Märchen. Bisher ist es noch niemandem gelungen, diesen sagenhaften Hort zu finden. Besucherinnen und Besuchern bietet der Berg trotzdem zahlreiche Kostbarkeiten: unberührte Natur, mythische Orte und einen großartigen Ausblick. Bei der Freiburger Wissenswanderung bringen die Geobotanikerin Anna Chatel und die Geografin Monika Nethe diese Schätze des Kandels dem interessierten Publikum näher.

Vor sechs Jahren haben die beiden Wissenschaftlerinnen zusammen mit den umliegenden Gemeinden und regionalen Heimatvereinen das Projekt „Kandel – Berg der Kräfte“ gestartet. Einen einfachen Waldlehrpfad anlegen wollten sie nicht, sondern Geschichten vom Leben und vom Alltag auf dem Kandel erzählen. Die Wanderinnen und Wanderer sollen den Berg und seine Umgebung „erfahren“. Das Resultat sind mehr als 50 Stelen. Diese erzählen im gesamten Kandelbergland vom Berg und den Menschen. Und für Kinder erklärt die freundliche Hexe Kandela zusammen mit ihren Gefährten – der Katze und dem Raben – das Wichtigste mit viel Humor.

Blütenmeer und zerklüftete Felsen

„Ein wahres Wunder“ verheißt die erste Stele auf der Wissenswanderung und lenkt die Aufmerksamkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das Blütenmeer: In den Hochstaudenfluren lassen sich Kostbarkeiten der Pflanzenwelt entdecken. Noch erstaunlicher ist das rasche Wachstum der Pflanzen. Aufgrund günstiger Bodenverhältnisse schießen die Gewächse im Frühjahr förmlich aus dem Boden.

Über einen schmalen Weg geht es vorbei an zerklüfteten Felsformationen. Der Weg ist an vielen Stellen sehr steil, und es müssen große Gesteinsbrocken überwunden werden. Dabei passiert die Gruppe auch einen abschüssigen Berghang: den so genannten Nordhang. Früher galt er als größte Herausforderung für Skifahrer. Doch der Wintersport ist am Kandel zurückgegangen – der Feldberg ist ein starker Konkurrent.

Auf dem Gipfel erwartet die Wandergruppe ein herrlicher Fernblick in die Rheinebene. Der Gipfel befindet sich in 1.243 Meter Höhe. Freiburg wirkt von hier aus betrachtet winziger als jede Modellstadt. Über dem Gipfel und den Tälern schweben einige Gleitschirmflieger. Der Kandel bietet ideale Bedingungen für diese Sportart, weil er gegen die Hauptwindrichtung liegt. Blickt man vom Kandelgipfel in die nordöstlichen Täler, fallen die zahlreichen Windräder auf. Die Umgebung des Kandel wird für die Erzeugung von Energie aus Windkraft stark genutzt. Inmitten des Plateaus erhebt sich ein markantes pyramidenförmiges Gebäude. Die Gipfelpyramide dient müden Wanderern als Rastplatz. Kinder klettern gern darauf herum.

Grenzen, die verbinden

Etwas abseits von der Gipfelpyramide steht ein hüfthoher, eher unauffälliger grauer Steinblock: „Das ist ein wichtiger Grenzstein“, erklären die Geografinnen. Denn durch den Kandelgipfel verlaufen die Grenzen von vier Gemeinden: Waldkirch, Simonswald, St. Peter und Glottertal. Diese Grenzen sind als Linien auf dem Stein eingraviert. Er ist zum Sinnbild für das Projekt der Forscherinnen geworden. Selbst Hexe Kandela trägt die Grenzlinien auf einem mythischen Amulett um den Hals. Längst steht der Stein nicht mehr für das Trennende, sondern ist das Symbol der Gemeinschaft aller Gemeinden. „Uns war die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung von Anfang an sehr wichtig“, sagt Anna Chatel. Die Projektleiterinnen haben Workshops und Interviews mit Anwohnerinnen und Anwohnern, Bauern und Heimatforschern aus allen vier Gemeinden geführt und mit ihnen gemeinsam die Inhalte erarbeitet. Nur so konnten sie erfahren, was am Kandel bedeutend und besonders ist.

Krimi auf dem Kandel

Zum Ende der Wanderung gibt es noch ein kriminalistisches Rätsel: Wer ist schuld an den Borstgrasleichen? Die Leiterinnen verteilen an alle Teilnehmer ein vertrocknetes Grasknäuel – eine Borstgrasleiche. Die Gruppe ist sich unsicher: Haben womöglich Touristinnen und Touristen die Gräser herausgerissen? Die letzte Stele auf der Tour bringt Aufklärung: Die Täter sind weidende Kühe. Denen schmeckt das harte und zähe Borstgras nämlich nicht, und sie spucken es schnell wieder aus. Zurück bleiben dann die Borstgrasleichen am Wegesrand.

Zurück am Kandelberghotel, gibt es von Anna Chatel und Monika Nethe ein paar Anregungen und Tipps für weitere Exkursionen. Das Kandelbergland hat noch mehr zu bieten: Wer den Naturraum in seiner ursprünglichsten Form erleben will, kann den Bannwald am Zweribach besuchen. Seit den 1970er Jahren ist er Naturschutzgebiet. Anderswo erhalten Besucher einen Einblick in das Leben und Arbeiten der Bauern im Kandelbergland – früher und heute.

von Markus Westphal


Zum Nachwandern:
Karten für abwechslungsreiche Touren mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen rund um den Kandel finden Sie hier .
 

Weitere Informationen:
Das Angebot richtet sich an alle, die den Kandel und seine Bedeutung für die Region besser kennenlernen wollen. Auf dem Weg vermitteln mehrere Stelen Wissenswertes zur Entstehungsgeschichte des Berges, der Pflanzenwelt, zu sportlichen Aktivitäten und Historischem aus der Region. Ein Höhepunkt der Exkursion ist eine Pause auf dem Kandelgipfel mit einem wundervollen Fernblick auf die Landschaft rundum. Die Rundwanderung dauert etwa anderthalb Stunden und endet am Kandelberghotel.

Für die Wanderung ist festes Schuhwerk empfehlenswert. Am Nordhang müssen einige abfallende Felsen überwunden werden. Windfeste Kleidung und ein ausreichender Sonnenschutz sollten nicht vergessen werden. Der Weg ist nicht für Kinderwagen geeignet.

Mehr erfahren Sie unter:
www.kandelbergland.de

Anfahrt:
Die Wissenswanderung beginnt am Kandelberghotel. Es ist von Waldkirch oder von St. Peter aus mit dem PKW über die L 186 zu erreichen. Parkplätze stehen am Berghotel zur Verfügung. Mit dem Bus erreicht man den Kandelhof ebenfalls von Waldkirch oder von St. Peter aus. Die Haltestelle ist direkt am Hotel.

 

Die Wanderung beginnt am Kandelberghotel.Der Weg führt vorbei an monumentalen Felsformationen.
Sagenhafte Holzfiguren begrüßen den Besucher.Der Viermärker Grenzstein auf dem Kandelgipfel: Die Grenzlinien sind heute das Symbol des Projekts Kandel – Berg der Kräfte.
Gleitschirmflieger schweben über die Täler rund um den Kandel.Die Gipfelpyramide auf dem Kandel.
Stelen erzählen die Geschichte des
Kandels und seiner Bewohner.
Die Wälder am Kandel laden zu langen Wanderungen ein.


 

Kontakt


Inhaltliche Fragen:


Rimma Gerenstein

Tel.: (+49) 0761 203 8812
Fax: (+49) 0761 203 4278
rimma.gerenstein@pr.uni-freiburg.de

 

Online-Anmeldung:

http://www.studiumgenerale.uni-freiburg.de/Kurse

 

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