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Butterblume, Orchidee und Scharfer Hahnenfuß

Der Geobotaniker Arno Bogenrieder zeigt die botanische Vielfalt am Schönberg

 

 

Am nördlichen Fuß des Schönbergs in St. Georgen beginnt die Wissenswanderung mit Prof. Dr. Arno Bogenrieder, bei der die botanische Vielfalt auf Ebringens Hausberg im Mittelpunkt steht. „Es ist erstaunlich, an wie vielen Stellen in Freiburg man nur ein paar Hundert Meter laufen muss, um in eine ländliche Umgebung zu kommen“, erzählt Bogenrieder begeistert. Es geht vorbei an alten Bauerngärten, wir werfen einen kurzen Blick auf die Vegetation und freuen uns an den Farben von Akelei und Goldlack.

Unsere erste Station sind die Rebenflächen, die einen schönen Blick auf die St.-Georg-Kirche bieten. Der Weinbau musste aufgrund von Schädigungen durch die Reblaus im 19. Jahrhundert vollkommen umgestellt werden. Eine Basis, die gegen Rebläuse resistent ist, liefert die heute gängige amerikanische Rebunterlage, auf die die europäische Edelrebe aufgepfropft wird. Dort, wo früher mechanische Unkrautlenkung stattfand, wird heute vor allem gemulcht. Das bedeutet: Der Boden wird mit unverrotteten organischen Materialien bedeckt, das Mähgut bleibt liegen. Zu den Vorteilen dieser Methode zählen die reduzierte Erosion sowie eine leichtere Ernte, allerdings geht sie auf Kosten der Artenvielfalt: „Die heute so bezeichneten Weinbergsunkräuter, teils sehr schöne Pflanzen, sind leider fast verschwunden“, bedauert Bogenrieder. „So gibt es von der Weinbergtulpe nur noch bei Ebringen wenige Exemplare.“

Fette Wiesen, magere Wiesen

Bei unserem nächsten Stopp schauen wir auf ein Meer von Butterblumen (Scharfer Hahnenfuß) in hohem Gras: Die Fettwiese ist eine gedüngte Wiese, die vor allem einen großen Heuertrag liefern soll. „Ampfer und Brennnessel deuten darauf hin, dass es hier genügend Stickstoff gibt“, klärt uns der Experte auf. Ebenso finden wir den für Fettwiesen typischen Wiesen-Pippau, Großen Klappertopf sowie Löwenzahn. Immer wieder regt Bogenrieder zum Nachdenken an. Warum ist es in den letzten Jahrzehnten im Schwarzwald so gelb geworden? Warum wächst zwischen den Bäumen kein Hahnenfuß?

An der Magerwiese lernen wir, dass diese nicht gedüngt, jedoch sehr viel artenreicher als die Fettwiese ist. „Die konkurrenzstärkeren Kräuter lassen die kleinwüchsigen auf der Fettwiese nicht wachsen“, sagt Bogenrieder. Auf Magerwiesen gedeiht der Kriechende Hahnenfuß, der als Unkraut bekannt ist und sich nur an den gestielten Blättern von seinem scharfen Vetter unterscheiden lässt. „Achten Sie auf die Grundblätter! Nicht nur Blütchen abzupfen“, rät der Geobotaniker, „denn dann hat man die wichtigen Dinge gerade nicht dabei.“ Auf der Magerwiese blühen das Wiesenlabkraut und der Hornklee, der sich mittels seiner Knöllchenbakterien vom Bodenstickstoff unabhängig machen kann. Wir lassen unseren Blick über eine wunderschöne Wiese schweifen, auf der neben Wiesensalbei und Warziger Wolfsmilch auch Herbstzeitlose und die unscheinbare Orchideenart Großes Zweiblatt zu Hause sind.

Duftender Waldmeister und giftige Tollkirsche

Kurz bevor es in den Wald geht, entdecken wir das Scharbockskraut (Himmelsgerste), das seinen Namen der Skorbut-Krankheit verdankt. Seefahrer aßen es wegen seiner Vitamin-C-reichen Blätter. Ein paar Meter weiter erwartet uns der Waldmeister, der seine Verwandtschaft zum Labkraut und Klettenlabkraut nicht leugnen kann. Bogenrieder muntert die Gruppe stets auf, die Pflanzen mit allen Sinnen zu erfahren: „Greifen Sie zu!“ Wer den Waldmeister eine Weile in der Hand hält, erlebt eine duftende Überraschung.

Im Waldesinneren sehen wir am Wegesrand Atropa belladonna, die außerordentlich giftige Schwarze Tollkirsche. Den lateinischen Namen „Atropa“ hat sie von der griechischen Göttin Atropos, die den Lebensfaden der Menschen abschneidet. Frauen sollen früher um ihrer Schönheit willen ihre Pupillen mit Beerenextrakt der Tollkirsche erweitert haben.
Nachdem wir erfahren haben, wie ein Haselblatt (am Stiel herzförmig zulaufend) von dem Blatt einer Bergulme (keilförmig zulaufend) zu unterscheiden ist, erhaschen wir einen wunderbaren Blick auf das Jesuitenschloss und finden uns bei der letzten Station ein – den Wiesengesellschaften, die magere und fette Wiesen vereinen. Auf einer Wiese wächst dicht bei ein paar Bienenstöcken der Wiesen-Bocksbart. Diese bunte Vielfalt der Wiesen lässt sogar unseren Begleiter Perito nicht kalt: Der Hund sprintet aufs Gras und tollt zwischen den Pflanzen herum.

von Stephanie Heyl
 


Zum Nachwandern:



Wissenswanderungen: Schönberg auf einer größeren Karte anzeigen


Weitere Informationen:

Dauer der Wanderung: etwa 3 Stunden
Erforderliche Ausstattung: festes, bequemes Schuhwerk
Für Kinderwagen aufgrund teils holpriger Wege eher ungeeignet, besser ist ein Tragetuch

Anfahrt:
Start und Ende der Wanderung: Gasthaus Schneeburg, St. Georgen
Anfahrt mit Auto (ab Stadtmitte): Kronenstr., Basler Str., Lörracher Str., Andreas-Hofer-Str.
Ausgewiesene Parkplätze: Andreas-Hofer-Str., Schneeburgstr.(Wohngebiet)
Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ab Stadtmitte, Bertoldsbrunnen):
1.) Straßenbahnlinie 3 Richtung Vauban bis Endhaltestelle Innsbrucker Str., von dort aus mit Buslinie 11 Richtung Freiburg Munzinger Straße bis Haltestelle Schneeburgstr.
oder:
2.) Straßenbahnlinie 5 (Bertoldsbrunnen) bis Pressehaus, von dort aus mit Buslinie 11 Richtung Freiburg Munzinger Straße bis Haltestelle Schneeburgstr.

 

Blick auf FreiburgBauerngarten mit Akelei und Goldlack
Arno Bogenrieder mit der Wissenswandergruppe an einer FettwieseWiesen-Pippau auf der Fettwiese
Warzige WolfsmilchWegweiser für unsere Route
Waldmeister am Eingang des WaldesFriedliches Wandern im Wald
Blüte von Atropa belladonnaBlick auf das Jesuitenschloss
Wiesen-BocksbartMeer von Butterblumen (Scharfer Hahnenfuß)
Ackerschachtelhalm am Wegesrand

Blick durch Gutedel-Reben auf St. Georgen


 

Kontakt


Inhaltliche Fragen:


Rimma Gerenstein

Tel.: (+49) 0761 203 8812
Fax: (+49) 0761 203 4278
rimma.gerenstein@pr.uni-freiburg.de

 

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