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Vier Wände aus vier Jahrhunderten

Der Historiker Dieter Speck erzählt die Geschichte der Freiburger Universität anhand ihrer neuen und alten Gebäude





Die Zeitreise von Prof. Dr. Dieter Speck beginnt im Uniseum in der Bertoldstraße 17. „Sie befinden sich hier im ältesten Gebäude der Universität, seine Ursprünge reichen bis auf romanische Wohnbebauung zurück“, erklärt der Leiter des Freiburger Universitätsarchivs. Er setzt zu einem gewaltigen Sprung in die Vergangenheit an: die Gründung der Freiburger Universität durch Erzherzog Albrecht VI. von Österreich im Jahr 1457. Der präsentiert sich stolz auf einem Gemälde im Uniseum. Früher wohnten dort, wo sich heute das Uniseum befindet, die ersten Studenten in so genannten Bursen. Auch die Eröffnungsvorlesungen auf Latein fanden hier, im ersten Hauptgebäude der Universität, statt. 1620 wurde das Gebäude an die Jesuiten übergeben, die die Burse zum Kolleg umbauten. Das Jesuitenkolleg wurde im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört und von 1950 bis 1957 wieder errichtet.

Viel kleiner als der Erzherzog, aber doch deutlich erkennbar, prangt auf dem Gemälde ein Bau, der später fast drei Jahrhunderte lang eine wichtige Rolle in der Geschichte der Universität spielen sollte: das Neue Rathaus. „Das gucken wir uns später aber noch in live an“, sagt Speck und bittet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach unten.

Große Flusskiesel und schnöder Beton


Es geht in die Kellergewölbe des Uniseums, in den Raum, in dem mehrere Epochen aufeinandertreffen: Die Wände stammen aus vier Jahrhunderten. Große Flusskiesel, im 13. Jahrhundert zu einer Wand verbaut, zeugen von den Ursprüngen des Baus. Direkt gegenüber befindet sich eine mit einem Balkennest versehene Wand aus dem späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert. Wand Nummer drei stammt aus dem späten 17. beziehungsweise frühen 18. Jahrhundert, was an einem eingebauten Spannungsbogen zu erkennen ist. Und die vierte Wand? „Aus ganz schnödem Beton“, sagt Speck und deutet auf die optisch langweiligste der vier Raumbegrenzungen. „Die wurde beim Wiederaufbau im 20. Jahrhundert eingesetzt.“

Weiter führt die Wanderung durch die Gewölbe, vorbei an einstigen Verbindungstüren, einem Luftschutzgang und einem Modell des Gebäudes, das erkennen lässt, wie sich die unterirdisch gelegenen Räume verteilen. Nur am Modell ist die Gruft unter der Universitätskirche erkennbar. „Sie laufen hier übrigens auf historischem Boden“, sagt Speck. Die Teilnehmer schauen nach unten, wo Turnschuhe und Sandalen über das Pflaster gleiten. Richtig, Pflaster. Es stammt aus dem Mittelalter. Die heutigen Gewölbekeller liegen 7,50 Meter unter dem Straßenniveau.

Rathaus mit drei Flügeln

Nächste Station ist das Neue Rathaus. Die Gruppe hält sich nicht lange mit der bekannten Fassade des Gebäudes auf, sondern begibt sich in den Innenhof. Hierhin wurde das einstige Eingangsportal gebracht. Es zeigt ein Medaillon von Erzherzog Ferdinand II. und den Schriftzug „Academia Friburgensis“. Von 1580 bis 1774 war das dreiflügelige Neue Rathaus am damaligen Franziskanerplatz das Hauptgebäude der Albertina. „Als das Gebäude gekauft wurde, hatte die Universität gerade einiges Geld erwirtschaftet. Der Anfang des 16. Jahrhunderts war eine Blütezeit. Man wollte damals einen tollen, repräsentativen Bau.“ Zweihundert Jahre später konnte eben dieser Bau die Masse an Studenten nicht mehr fassen. Er wurde degradiert und an die Stadt verkauft. Bis 1911 war die heutige Alte Universität das Universitätshauptgebäude. Der Jesuitenorden hatte sich 1773 aufgelöst, und das Gebäude war wieder an die Universität gegangen.

„Die Wahrheit wird euch frei machen“

Die letzte Station der Wissenswanderung ist das auffällige Gebäude am Rotteckring: das Kollegiengebäude I. Der Karlsruher Architekt Hermann Billing baute es von 1906 bis 1911. Die vielen Jugendstilelemente und der markante rote Sandstein machen das Gebäude zu einem Wahrzeichen Freiburgs. Das an der Westfassade eingemeißelte Universitätsmotto kennen alle Studierenden: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Dort, wo die gut 100 Jahre alten Skulpturen von Homer und Aristoteles den Eingang flankieren, zeigt Dieter Speck noch ganz andere Spuren der Geschichte auf: „Wenn Sie ganz genau hinschauen, können Sie rechts am Eingang die Einschusslöcher aus dem Ersten Weltkrieg erkennen.“ Beim Gang durch das Gebäude macht Speck auf Kleinigkeiten aufmerksam, die einem leicht entgehen, wenn man sich nur flüchtig umsieht: ein Bildnis des Universitätspatrons Hieronymus mit dem Löwen im Eingangsbereich zum Beispiel. Ebenfalls versteckt, und zwar im weithin sichtbaren Turm des Gebäudes, sind die beiden Karzer der Universität. Sie wurden bis 1920 genutzt. Mit ein bisschen Muße lassen sich an den Zeichnungen der Studenten tolle Geschichten ablesen.

von Claudia Füßler


Zum Nachwandern:


Wissenswanderungen: Universitätsgeschichte auf einer größeren Karte anzeigen



Weitere Infornationen:
Die gut zweistündige Wissenswanderung beginnt am Eingang des Uniseums (Bertoldstraße 17) und endet im Kollegiengebäude I am Rotteckring. Es sind viele Treppen zu bewältigen; Kinderwagen sollten daher nicht mitgenommen werden. Eine besondere Ausstattung ist nicht nötig, normales Schuhwerk genügt.

Öffnungszeitung und Kontakt zum Uniseum: http://www.uniseum.uni-freiburg.de/


Anfahrt:
Das Uniseum ist mit allen Straßenbahnlinien zu erreichen (Haltestelle Bertoldsbrunnen).

Mit dem Auto: Autobahnabfahrt Zubringer Mitte – Abfahrt „Stadtmitte/Universität“. Parkplätze findet man im Rotteck-Parkhaus an der Kreuzung Werderring/Bertoldstraße. Von dort aus geht es durch die Bertoldstraße zu Fuß zum Uniseum.

   
 Dieter Speck erläutert im Uniseum ein Gemälde, das den Universitätsgründer
Albrecht VI. zeigt.

Bauinschrift an der Alten Universität an der Bertoldstraße, 1620.

   
Im Keller des Uniseums gibt es einen Raum
mit Wänden aus vier Jahrhunderten.
Der große Gewölbekeller wurde unter anderem als Luftschutzkeller genutzt.
   
Dieser Luftschutzgang aus den 1930er
Jahren führt zum Teil durch alte Gewölbe.
Erinnerung an eine alte Verbindungstür.
   
Modell des alten Universitätsgebäudes mit
dem Grundriss der Kellerräume.
Das Neue Rathaus auf dem Franziskanerplatz war einst das Hauptgebäude der Albertina.
   
Das ehemalige Eingangsportal des Neuen Rathauses ist heute im Rathausinnenhof
zu sehen - mit dem Medaillon des Erzherzogs Ferdinand II.
Eingangsportal des Kollegiengebäudes I.
   
 

Inschrift auf dem Kollegiengebäude I.

Universitätspatron Hieronymus im Eingangsbereich des Kollegiengebäudes I.
   
 Karzer im Turm des Kollegiengebäude I.  Wandzeichnung im Karzer.



 

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Fax: (+49) 0761 203 4278
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