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Drei Minuten für die beste Idee

Der Gründungswettbewerb SPARK feiert studentischen Unternehmergeist

Freiburg, 03.08.2020

Drei Minuten für die beste Idee

Foto: Redpixel/stock.adobe.com

Eine App, die das Drucken von Bons obsolet macht, ein Diagnostik-Tool, das in strukturell schwachen Gegenden schnelle Ergebnisse liefert, und eine App, die bei der Zimmersuche behilflich ist: Die Welt könnte schöner und auch besser sein. Nach Wochen voller Workshops und Präsentationen haben es 13 studentische Teams zum digitalen Demoday, der abschließenden Veranstaltung des Gründungswettbewerbs SPARK, geschafft. In dreiminütigen Pitchs zeigten sich die Stärken und Schwächen ihrer Ideen. Die Hochschulgruppe Foundersclub Freiburg hat den Wettbewerb initiiert und damit eine Plattform für den Unternehmensgeist junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geschaffen.

Die Preise des Gründungswettbewerbs wurden in den drei Kategorien „Sustainability“, „Scalability“ und „Social Impact“ verliehen. Foto: Redpixel/stock.adobe.com

Als besonders findig erwiesen sich Anfang des Jahres die Bäckereien: ein Kassenbon nach dem anderen aufgefädelt und im Laden wie eine Leine mit Wimpeln präsentiert oder ein ganzes Schaufenster voll mit Kassenzetteln. Die Bonpflicht, eingeführt am 1. Januar 2020, ist ein Ärgernis für den Einzelhandel und bescherte der Presse Fotos von Aktionen ziviler Ungezogenheit. Gedacht als Mittel, Steuerhinterziehung zu verhindern, schuf die Verordnung eine Zettelwirtschaft. Und schlimmer noch: Oft bestehen die Kassenbons aus Thermopapier, das nicht recycelt werden kann und im Ruf steht, gesundheitsschädlich zu sein. Niemand, der von diesem Problem nicht betroffen wäre. Kein Wunder also, dass das Neobon-Team auf dem Demoday gleich doppelt ausgezeichnet wurde. Ihre Idee, die Daten auf ein Smartphone zu übertragen, anstatt einen Bon zu drucken, fand nicht nur bei der Jury Anklang, sondern auch bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. Neobon erhielt sowohl den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis als auch die Auszeichnung in der Kategorie „Sustainability“, die mit einem Preisgeld von 2.000 Euro veranschlagt ist.

Der Wettbewerb als Katalysator

Von den ursprünglich 14 Teams erreichten 13 den abschließenden Pitch des Gründungswettbewerbs SPARK. Darunter waren Ideen für eine auf die eigenen Gene zugeschnittene Diät, der Anbau von Basilikum, Spinat und Tomaten als Hochhaus-Pflanzkultur und Batterien für Elektroautos auf Leihbasis. Viele der Teams fanden spontan zusammen, hatten erste Ideen für ein Start-up, allerdings noch keinen konkreten Fahrplan. Neobon, das drei Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie in Gang setzten, ist da durchaus exemplarisch für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für das junge Start-up hat der Wettbewerb als Katalysator gewirkt, und das Preisgeld erleichterte die Unternehmensgründung. Die Idee zu Neobon bestand bereits vor dem Wettbewerb, doch dieser hat die Entwicklung wesentlich beschleunigt. Nach SPARK, so erzählt Thomas Völk von Neobon, konnte sich das Team mit neuen Mitgliedern verstärken. Inzwischen arbeiten sechs Leute mit.

Seit April gibt es Prototypen für die App und den Neobon-Drucker – falls die Käuferinnen und Käufer sich doch für einen Papierbon entscheiden. Die Kosten pro Drucker, der bei den Kassen angeschlossen wird, schätzt Völk auf unter 150 Euro. Andere Lösungen, die auf einem QR-Code beruhen, sind meist teurer. Darüber hinaus funktioniert Neobon unabhängig vom Internet und wäre auch eine Lösung für den ländlichen Raum mit seinen oft schlechten Internetverbindungen. Während des Gründungswettbewerbs, der von zehn Workshops, unter anderem zu den Themen „Website“ und „Finanzierung“, sowie weiteren Veranstaltungen begleitet war, konnte das Neobon-Team Gespräche mit einem Patentanwalt führen. Auch die Tatsache, dass SPARK den Teams Mentorinnen und Mentoren zur Seite stellte, empfand Völk als hilfreich. Neobon möchte nun mit den entsprechenden Behörden prüfen, ob das Produkt zulässig ist, und im Anschluss Akquisegespräche mit dem Einzelhandel führen.

Schnelles Diagnostik-Tool

Dass der Foundersclub Freiburg gut vernetzt ist, zeigt unter anderem die in der Start-up-Szene kundige Jury bestehend aus Yalun Meng von LexRocket, Hanna Böhme, Geschäftsführerin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe, Ivan Aćimović von der Stabsstelle Open Government der Stadt Freiburg sowie Hansjörg Lerchenmüller von den Black Forest Business Angels. Sie entschieden über die jeweils mit 2.000 Euro dotierten Preise in den drei Kategorien „Sustainability“, „Scalability“ und „Social Impact“. Auch die Leiterinnen und Leiter der Workshops und die Mentoren stehen für gute Kontakte in die Wirtschaft.

Mit der Entscheidung des Foundersclubs, Englisch zur offiziellen Sprache des Wettbewerbs zu machen, hatten auch Initiativen wie PapSamurAI eine Chance: Die Wissenschaftler sind international aufgestellt und arbeiten in den Bereichen Medizin und maschinelles Lernen. Neben der Universität Freiburg sind die Universität von Utrecht/Niederlande und die US-amerikanische Purdue University Partner des Start-ups. Ihr Bild-Diagnostikverfahren für Gebärmutterhalskrebs beruht auf künstlicher Intelligenz und trägt dem Umstand Rechnung, dass ein Großteil der Frauen, die an dieser Krankheit sterben, aus Entwicklungsländern kommt. Meistens brauchen Labore gut sieben Tage, um einen Abstrich zu testen – mit dem tragbaren kleinen Gerät von PapSamurAI würde es etwa zehn Minuten dauern, die Ergebnisse wären an Ort und Stelle bekannt. Die Algorithmen seien auch weniger fehleranfällig. Gerade in strukturschwachen Gebieten könnte das Diagnostik-Tool gute Dienste leisten. PapSamurAI hat den Preis in der Kategorie „Scalability“ eingeheimst.

Schöner wohnen mit „Besenkammer“

Auch der Nutzen der Start-up-Initiative, die mit dem „Social Impact“-Preis ausgezeichnet wurde, leuchtet unmittelbar ein. Ein WG-Zimmer von 18 Quadratmeter ist in Freiburg für happige 735 Euro zu haben. Und dann stimmt womöglich noch nicht einmal die Chemie mit den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnerin. Die Suche kann unendlich viel Frust erzeugen. Das Team, das die App „Besenkammer“ entwickelt hat, rät, sich für die Zimmersuche Zeit zu nehmen. Ihre Matching-App bringt potenzielle Vermieterinnen und Vermieter mit Mieterinnen und Mietern in Kontakt.

Um herauszufinden, ob man gut zusammenpasst, gibt es für beide Seiten einen kurzen Fragebogen, der Allergien auf Haustiere, das jeweilige Rückzugsbedürfnis sowie die Bereitschaft, ab und zu in Haushalt oder Garten auszuhelfen, abfragt. Insbesondere ältere Vermieter, die sich vor langfristigen Mietverhältnissen scheuen, könnten von den jungen Mietern profitieren – und diese hätten zunächst eine zuverlässige Ausgangsbasis für ein paar Monate, um sich entspannt auf die Suche nach einer längerfristigen Bleibe zu machen. Um den lästigen Papierkram kümmert sich übrigens das Team von „Besenkammer“. Steht die Freiburger Version, möchte das Team seine App auch auf andere Studierendenstädte ausweiten. Dank der SPARK-Starthilfe könnte die eine oder andere Projektidee also noch von sich reden machen.

Annette Hoffmann

 

Artikel über den Foundersclub Freiburg im Online-Magazin

 

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