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Idee trifft Markt

Zwei neue Programme unterstützen Mitglieder der Universität Freiburg auf dem Weg zur Unternehmensgründung

Freiburg, 16.10.2020

Dass die Gründerzeit wieder begonnen hat, weiß die Universität Freiburg schon lange: Seit 1999 existiert ihr Gründungsbüro, das Beschäftigte und Studierende bei allen Anliegen rund um das Unternehmertum berät. Für die Früh- und Entwicklungsphase junger Geschäftsideen hat das Gründungsbüro nun zwei neue Angebote aufgelegt: Dr. Thomas Maier und Dr. Harald Schützeichel haben die Programme „Start!“ und „Develop!“ entwickelt. Mathias Heybrock hat mit den beiden gesprochen.

Wer eine Geschäftsidee erfolgreich umsetzen will, muss die Wünsche und Bedürfnisse von potenziellen Kunden und Käufern kennen. Foto: Looker Studio/stock.adobe.com 

 

Herr Schützeichel, Herr Maier, warum gibt es nun zwei neue Programme zur Entwicklung von Geschäftsideen?

Harald Schützeichel: Aufgrund der Erfahrungen, die wir im Gründungsbüro zuvor machten. Einige, die zu uns kamen, sahen in uns vor allem so eine Art Wegweiser: Wo gibt es Finanzierung, welche Förderungsmöglichkeiten und Qualifizierungen gibt es auf dem Weg ins Unternehmertum? Wir leisten aber deutlich mehr. Bei der Gründung eines Unternehmens helfen und beraten wir über einen längeren Zeitraum hinweg – und wir beginnen bereits in der Ideen- und Konzeptionsphase. Thomas Maier und ich sind beide, neben unserer Tätigkeit hier, selbst Unternehmer – wir wissen also aus eigener Erfahrung genau, worauf es ankommt. Die neuen Programme betonen nun den Aspekt der beratenden Begleitung.

Erzählen Sie ein bisschen über Ihre eigenen Unternehmen?

Thomas Maier: Ich bin studierter Forstwissenschaftler und habe ein Unternehmen an der Schnittstelle zwischen Forst- und Holzwirtschaft.

Harald Schützeichel: Ich bin studierter Philosoph und Theologe und habe verschiedene Unternehmen in der deutschen und afrikanischen Solarbranche gegründet.

Beginnen wir mit dem Programm „Start!“ Wer kommt dafür infrage?

Harald Schützeichel: Alle an der Universität, die eine Geschäftsidee haben. Diese darf auch gerne noch vage sein. Es können Studierende kommen, Mitarbeitende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – egal. Wir lassen uns die Idee schildern und laden zu einem ersten Gespräch ein, das wir gemeinsam führen.

Beraten Sie gemeinsam?

Thomas Maier: Im weiteren Verlauf berät und begleitet nur einer von uns. Doch das erste Gespräch führen wir gemeinsam. Damit beide über jedes Projekt Bescheid wissen, das zu uns kommt. Und damit wir herausfinden, zum wem von uns das Anliegen besser passt.

Was passiert dann?

Thomas Maier: Bei „Start!“ folgen dann drei weitere Gespräche, im Verlauf von insgesamt etwa sechs Wochen. Viel länger sollte der Zeitraum nicht sein, weil Kontinuität und Dranbleiben wichtig sind, wenn eine Idee präzisiert werden soll.

Und dann?

Harald Schützeichel: Dann ist die Geschäftsidee so geschärft, dass man einen Schritt weitergehen und sie auf ihre Markttauglichkeit hin prüfen kann. Das geschieht im Programm „Develop!“ An seinem Ende steht idealerweise ein tragfähiges Geschäftsmodell, das man Investorinnen und Investoren vorstellen kann. Oder man bewirbt sich damit für das Bundesprogramm „Exist“, das junge Ausgründungen aus dem Wissenschaftsbetrieb für bis zu drei Jahre mit einer Anschubfinanzierung und weitergehender unternehmerischer Qualifizierung unterstützt.

Thomas Maier (links) und Harald Schützeichel beraten Gründungswillige – dabei profitieren sie auch von der Erfahrung, die sie selbst als Unternehmer gesammelt haben. Foto: Ingeborg F. Lehmann

Können Sie ein Beispiel für eine Geschäftsidee nennen, die bei Ihnen diesen Prozess durchlief?

Thomas Maier: Dafür sind die beiden Angebote noch zu neu. Ich kann aber ein Beispiel aus unserer Fördervergangenheit nennen, das idealtypisch in diese Programme gepasst hätte: Der Kladde-Verlag hatte die Idee, Bücher über Crowdfunding zu finanzieren – was gut und interessant ist, aber womit man nicht unbedingt viel Geld verdient. Dann entstand eine zweite Idee: eine Software zu entwickeln, die Verlagen dabei hilft, Manuskripte zu bewerten. Und dafür gibt es einen Markt – weswegen diese Idee unter dem Namen „Bookbakers“ ein „Exist“-Stipendium einwerben konnte.

Interessant.

Thomas Maier: Es kann also auch zwischen den Programmen gesprungen werden. Wenn sich bei „Develop!“ herausstellt, dass es für die Ursprungsidee keinen Markt gibt, für eine aus ihr hervorgegangene Idee aber schon, wechselt man eben noch einmal zurück zu „Start!“ und beginnt den Prozess von vorn.

Wie stellen Sie fest, ob es einen Markt gibt?

Thomas Maier: Durch Marktforschung, zu der wir unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr ermutigen. Viele haben ihre Ideen zwar im Freundeskreis geschildert und dort Feedback erhalten, aber das ist keine valide Aussage über die wirtschaftlichen Chancen. Sie brauchen das Feedback von potenziellen Käuferinnen und Käufern sowie von Kundinnen und Kunden.

Harald Schützeichel: Und das holt man nicht ein, indem man ein unpersönliches Massen-Mailing verschickt, auf das dann nie jemand antwortet. Man muss den persönlichen Kontakt suchen, die Idee präsentieren und Fragen stellen: Wie findet ihr das? Könnt ihr das gebrauchen? Da treffen Ideen dann auf den Markt, auf die Realität. Das ist sehr wichtig.

Wieviel „Start!“-Teilnehmern mussten Sie sagen: „Für diese Idee gibt es keine Realität.“

Harald Schützeichel: Die Frage führt in die Irre. Es geht ja nicht darum, ob wir eine Idee für tauglich halten oder nicht. Wichtig ist für uns, die Gründerinnen und Gründer zur Entscheidung zu befähigen, ob sie eine Idee für tragfähig genug halten, um aus ihr ein eigenes Unternehmen werden zu lassen.

Thomas Maier: Ich habe mal zwei junge Männer beraten, die an einer App für Busunternehmen gearbeitet haben. Wir waren sehr weit, der Antrag für „Exist“ war fertig und aussichtsreich. Da haben die beiden mir gesagt: „Im Prozess haben wir gemerkt, dass das freie Unternehmertum für uns beide nichts ist.“ Sie haben sich dann eine Anstellung gesucht. Auch das ist ein gutes Ergebnis.

Es gibt im Raum Freiburg weitere ähnliche Programme wie Ihre, die Start-up-Angebote vom Grünhof oder des Baden-Campus etwa. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Harald Schützeichel: Diese Initiativen sind alle auf der Plattform „Startinsland“ versammelt, die unter anderem vom Gründungsbüro ins Leben gerufen wurde. Wir treffen uns regelmäßig, tauschen uns aus. Es gibt viele Gemeinsamkeiten – und einige Unterschiede.

Welche?

Harald Schützeichel: Unserer Programme sind weniger fest definiert, man kann bei uns zum Beispiel nicht nur zu einem fixen Termin, sondern das ganze Jahr über mit einer Idee kommen und einsteigen. Und wir haben vielleicht etwas weniger Druck, müssen keine „Quoten“ erfüllen, nicht vorweisen, wie viele der von uns beratenen Projekte es auf den Markt bringen. Das macht unsere Ohren offener gegenüber Projekten, die vielleicht nicht so kommerziell sind, für die es aber doch auch eine Nachfrage gibt, einen Bedarf.

 

„Start!“ und „Develop!“

Gründungsbüro der Universität Freiburg

 

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