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Palliative Care: Ein Berufsfeld mit Zukunft

Alte und kranke Menschen umfassend betreuen: Die palliativmedizinische Versorgung nimmt an Bedeutung zu. Die Universität Freiburg bietet einen neuen Online-Masterstudiengang an – eine Weiterbildungsmöglichkeit für in der stationären und ambulanten Krankenversorgung tätige Menschen.


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Alte und kranke Menschen brauchen Hilfe - aber auch die Helfenden müssen unterstützend bei der Hand genommen werden. ( © Pinnwand / photocase) 

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Der Bedarf an palliativmedizinischer Betreuung steigt: Zum einen wächst der Anteil der älteren Menschen in der Gesellschaft, zum anderen verbessern sich die medizinischen Möglichkeiten stetig, sodass auch Patienten mit schweren Erkrankungen länger leben können. „Von heute bis zum Jahr 2020 werden circa 1500 zusätzliche Führungskräfte im Bereich der ambulanten und stationären Betreuungsstrukturen benötigt“, erklärt Medizinerin und Theologin Dr. Gerhild Becker, Studiengangsleiterin Palliative Care der Universität Freiburg.

 

  • Ziele und Inhalte des Studiengangs

Auch wenn bei Patienten keine Heilung möglich ist, so Becker, können belastende Symptome wie starke Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit durch moderne Palliativmedizin deutlich gemindert werden. Von daher ist für eine gute palliativmedizinische Versorgung, Spezialwissen und eine reflektierte Haltung zu den Tätigkeiten nötig. Die Vermittlung von Fach-, Handlungs-, Reflexions- und Kommunikationskompetenzen stehen im Vordergrund des Online-Masterstudiengangs Palliative Care: Symptome und Symptomkontrolle, wissenschaftliche Forschungsmethoden, psychosoziale, kommunikative und spirituelle Kompetenz, ethische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte sowie Organisation und Management sind Aspekte des Stundenplans.

  • Formalien des Studiengangs

Der berufsbegleitende Online-Masterstudiengang Palliative Care ist an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg angesiedelt. Er dauert zwei Jahre und schließt mit dem Master of Science Palliative Care ab. Teilnehmen können Postgraduierte aus unterschiedlichen medizinischen und psychosozialen Bereichen. Der gesamte Studiengang wird nach dem Konzept des Blended Learning durchgeführt. Die Selbstlernphasen, gestützt von regelmäßigen Online-Meetings, wechseln sich mit Präsenzveranstaltungen an verlängerten Wochenenden ab (2-3 Termine pro Semester). Studienbeginn ist jährlich zum Wintersemester, eine Bewerbung ist zum 15. August eines jeden Jahres möglich. Weitere Informationen sind auf www.palliativecare.uni-freiburg.de zusammengefasst.

Die Druckversion dieses Textes (pdf) finden Sie hier.

 

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Priv.-Doz. Dr. med. Dipl.-Theol. Dipl.-Caritaswiss. Gerhild Becker

Gerhild Becker ist Fachärztin für Innere Medizin, evangelische Diplom-Theologin und Diplom- Caritaswissenschaftlerin. Durch ein zweijähriges Masterstudium am St. Christopher’s Hospice und am King’s College der University of London hat sie den Abschluss als Master of Science in Palliative Care erworben. Als Oberärztin leitet sie die Palliativstation sowie einen palliativmedizinischen Konsiliardienst für alle bettenführenden Abteilungen des Universitätsklinikums Freiburg. Sie leitet die interdisziplinäre Forschungsgruppe Palliative Care mit den Forschungsschwerpunkten evidenzbasierte Therapie in der Palliativmedizin (Systematic Reviews, Leitlinien), klinische Studien zur Schmerztherapie und Symptomkontrolle in der Palliativmedizin, Versorgungsforschung, qualitative Forschung, Spiritualität und medizinethische Fragestellungen. PD Becker hat die wissenschaftliche Leitung des seit 2010 etablierten Online-Masterstudienganges Palliative Care der Universität Freiburg.

 

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„Wir können viel tun, um die Lebensqualität zu fördern.“

Fürsorge für unheilbar Kranke und deren Angehörige – aber auch für die in der Pflege tätigen Menschen: Gerhild Becker erklärt die Grundlagen des neuen Studiengangs Palliative Care. Und zeigt auf, dass auch ein Online Masterstudiengang praxisnah sein kann.


Surprising Science: Eine Grundlage der Palliativmedizin ist die Nähe zum Patienten. Aber wie praxisnah kann in einem Online-Masterstudiengang gelehrt werden?

Becker: In der didaktischen Konzeption sowie in der Auswahl der Inhalte achten wir stark darauf, möglichst viele Querbezüge zur eigenen Berufspraxis herzustellen. Der Praxisbezug ist von vorneherein stark ausgeprägt, da alle Studierenden bereits in der palliativen Versorgung tätig sind und so die meisten Inhalte unmittelbar im Berufsalltag umsetzen können. Darüber hinaus werden in den Präsenzphasen zum Beispiel durch die Arbeit mit Schauspielpatientinnen konkrete Kommunikationssituationen trainiert und individuelles Feedback gegeben. Und wir bieten den Studierenden die Möglichkeit, in einem für sie relevanten Arbeitsbereich unter Betreuung eines qualifizierten Mentors konkret eigene Projekte umzusetzen.

Surprising Science: Welche ethischen Grundlagen liegen Palliative Care zugrunde?

Becker: Auch wenn wir manche Erkrankungen nicht heilen können, können wir viel tun, um die Lebensqualität zu fördern und zu erhalten. Die technischen Möglichkeiten der modernen Medizin beinhalten nicht automatisch die Kriterien für eine richtige Anwendung. Die optimale Therapie ist nicht die maximale, sondern die adäquate Therapie. Speziell bei unheilbar kranken Patienten geht es um ein sinnvolles Abwägen zwischen dem technisch Machbaren und dem individuell Adäquaten.

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Ein Ziel der Ausbildung ist es, das Arbeiten in multiprofessionellen Teams zu fördern. (© Aerzte-Konferenz_Freikon_54266-52018-original)

Surprising Science:

Was wollen Sie über die medizinische Kenntnisse hinaus in dem Studiengang vermitteln?

Becker: Es geht um die ganzheitliche Fürsorge für unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen. Wir können die Erkrankungen nicht heilen, aber wir können den Betroffenen einen schützenden Mantel, lateinisch pallium, anbieten. Patienten und Angehörige brauchen oft psychologische Hilfe, um unheilbare Erkrankungen verarbeiten zu können. Ein besonderes Kennzeichen der Palliativmedizin ist die Zusammenarbeit verschiedener Professionen – Ärzte, Pflegende, Physiotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter, Seelsorger und Apotheker mit dem Ziel, den Patienten und ihren Angehörigen bis zum Lebensende eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen. Entsprechend den individuellen Bedürfnissen und Wünschen sollen neben den physischen Leiden auch soziale, psychologische und spirituelle Aspekte mit einbezogen werden. Je besser alle Professionen über Fachgrenzen hinweg zusammenarbeiten, desto besser ist das für die Versorgung der Betroffenen. Daher ist auch ein Ziel der Ausbildung, das Arbeiten in multiprofessionellen Teams zu fördern. Neben den Patienten und Angehörigen stehen aber auch die in der Versorgung Tätigen unter ganz besonderer Belastung. Sterben und Tod ist besonders für Ärzte ein schwieriges Thema, da die erste Aufgabe eines Arztes natürlich die Heilung ist. Der Verlust eines Patienten kann unter Umständen als Scheitern empfunden werden. Hier gilt es, Kompetenzen und Strategien für den Umgang mit verschiedenen Belastungsfaktoren zu entwickeln. All das ist Gegenstand des Studiums.

Die Druckversion dieses Textes (pdf) finden Sie hier.

 

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So lernen die Studierenden online:

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Regelmäßig werden Aufgaben zu allen Fachbereichen online gestellt. (Foto: Universität Freiburg)   E-Lectures zu den verschiedenen thematischen Modulen sind online abrufbar. (Foto: Universität Freiburg)

 

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