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Fehlende Anreize des Berufes: Modell zum zukünftigen Bedarf an Altenpflegekräften

Professionelle Pflegekräfte verweilen durchschnittlich nur circa 8,4 Jahre in ihrem Berufsfeld. Tobias Hackmann, Finanzwissenschaftler an der Universität Freiburg, hat berechnet, dass an diesem Punkt angesetzt werden muss, um einem zukünftigen Pflegenotstand entgegenzuwirken.


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Pflegekräfte arbeiten zu kurz in ihrem Beruf. Das muss geändert werden, um einem Pflegenotstand
entgegen zu wirken.
( © gilles lougassi - Fotolia.com)

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Die Bevölkerung Deutschlands wird älter – und benötigt mehr Pflege. Doch das Berufsfeld der professionellen Pflegekräfte kann bei dieser Entwicklung nicht Schritt halten: Ausgehend von seinen Berechnungen erläutert Tobias Hackmann, Finanzwissenschaftler am Lehrstuhl von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen an der Universität Freiburg, in seiner Studie Entwicklungen der professionellen Pflege vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, dass sich die Zahl der Pflegefälle vom Jahr 2007 bis zum Jahr 2050 fast verdoppeln wird: von circa 2,3 Millionen auf etwa 4,4 Millionen Fälle. Dagegen wird sich die Zahl der Altenpflegekräfte bis zu dem gleichen Jahr nur um etwa 30 Prozent von 316.000 Vollzeitkräften im Jahr 2007 auf 420.000 Pflegevollzeitkräfte steigern.

 

  • Altenpflegekräften bleiben nicht lange im Beruf

Hackmann sieht den Grund dafür vorrangig in dem kurzen Zeitintervall, während dem Altenpflegekräfte ihren Beruf ausüben. Denn die durchschnittliche Verweildauer liegt im Pflegesektor bei durchschnittlich nur 8,4 Jahren. Die zumeist besser ausgebildeten Krankenschwestern weisen hingegen eine Verweildauer von etwa 13,7 Jahren auf. Vor allem junge Berufsanfänger wechseln schnell das Tätigkeitsfeld: Während Beschäftige im Alter von 36 Jahren durchschnittlich 11,2 Jahre in der Pflege tätig sind, gehen Altenpflegekräfte im Alter von 19 Jahren ihrem Beruf nur 2,8 Jahren nach. Unter Berücksichtigung der Altersstruktur im Pflegesektor ergibt sich schließlich die durchschnittliche Verweilzeit von etwa 8,4 Jahren. Die hohen Abbruchraten der jüngeren Berufseinsteiger, erläutert Hackmann in seiner Studie, werden dadurch begründet, dass das in der Ausbildung gewonnene Bild des Altenpflegeberufs häufig nicht mit der Realität übereinstimmt. Zudem falle der Wechsel in einen anderen Beruf in jungen Jahren leichter, wenn noch keine familiären Verpflichtungen beständen. Der Freiburger Finanzwissenschaftler bilanziert, dass durch längere berufliche Tätigkeit ein Teil des zukünftigen Bedarfs an Pflegekräften gedeckt werden könnte: Würde es gelingen, die Verweildauer der Altenpflegekräfte bis zum Jahr 2050 auf etwa 13,7 Jahre – also vergleichbar mit der Verweildauer von Krankenschwestern - zu steigern, könnte sich die Zahl um 260.000 auf 680.000 Vollzeitpflegekräfte erhöhen. Der zu erwartende zusätzliche Bedarf an professioneller Pflegedienstleistung ließe sich somit immerhin um weitere 48 Prozent – zusätzlich zu dem Anstieg um 30 Prozent - befriedigen.


  • Das Berufsfeld muss attraktiver werden

Aufgrund seiner Analyse schlussfolgert Hackmann, dass in Zukunft seitens der Arbeitgeber, Ausbilder, Politik und Wissenschaft genau analysiert werden muss, mit welchen Maßnahmen sich die Verweildauer im Berufssektor der Altenpflege steigern lässt. Auch die Dauer der Ausbildung und das Tätigkeitsfeld habe einen erheblichen Einfluss auf den zeitlichen Faktor: Denn die besser qualifizierten Krankenpflegekräfte sind im Schnitt länger in ihrem Beruf tätig als Arbeitnehmer in der Altenpflege. Da gerade bei jungen Berufseinsteigern eine hohe Abbruchwahrscheinlichkeit zu beobachten ist, sollten zukünftige Änderungen auf junges Personal zugeschnitten sein. Dadurch könnten nicht nur die Abbruchquote minimiert, sondern auch die Anzahl der Auszubildenden gesteigert werden. Zudem sollte versucht werden, so Hackmann, vorzeitige Berufsabbrecher mit neuen Angeboten in den Pflegeberuf zurückzuholen. Damit könnte ein Pflegenotstand letztlich abgewendet werden.

(Die Studie von Tobias Hackmann ist erscheinen in: Nienhaus, Albert (Hrsg.): Gefährdungsprofile. Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Landsberg/Lech, 2010.)

 Die Druckversion dieses Textes (pdf) finden Sie hier.

 

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Dipl.-Vw. Tobias Hackmann

Tobias Hackmann ist wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft I von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen und arbeitet am Forschungszentrum Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er studierte bis 2007 Volkswirtschaftslehre in Freiburg und Lund, Schweden, und beendet momentan seine Promotion. Am Forschungszentrum Generationenverträge forscht und publiziert Hackmann zu den Themen Pflegearbeitsmarkt, Gesundheitsökonomie und Demografischer Wandel. Als Projektleiter ist er zudem in verschiedenen wissenschaftlichen Beratungsprojekten für öffentliche und private Einrichtungen zum Thema Pflege beschäftigt. Im April 2011 erhielt Hackmann den Tagungspreis der dggö-Jahrestagung der Universität Bayreuth für seinen Beitrag „Verweildauer in Pflege unter Betrachtung des Zugewinns an Lebenserwartung“.

 

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Verweildauer weiblicher Altenpflegekräfte nach der Ausbildungszeit (Quelle: Hackmann)   Personalbedarf in professioneller Pflege im Zeitraum 2007 bis 2050 in Vollzeitäquivalenten (Quelle: Hackmann und Moog und Statistisches Bundesamt)   Angebot von und Nachfrage nach professioneller Pflege im Zeitraum 2007 bis 2050 in Vollzweitäquivalenten (Quelle: Hackmann)
       
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Vergleich der Verweildauern von Krankenschwestern und Altenpflegerinnen (Quelle: Hackmann)  Personalentwicklung Pflege mit unterschiedlicher Berufsverweildauer (Quelle: IABS 1975-2004)   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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