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Gibt es einen ökologischen Weihnachtsbaum?

Gibt es einen umweltfreundlichen Weihnachtsbaum? Prof. Dr. Jürgen Bauhus vom Waldbau-Institut der Universität Freiburg sagt „ja“. Doch dieser Baum ist nicht unbedingt leicht zu finden oder entspricht nicht unserem „Schönheitsideal“ eines Weihnachtsbaums.


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Festlich geschmückt erstrahlen jedes Jahr in Deutschland rund 28 Millionen Weihnachtsbäume. (© Alexander Hoffmann / fotolia.com)

 

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Geschmückt mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln oder Lametta: Jedes Jahr erstrahlen in Deutschland rund 28 Millionen Weihnachtsbäume in den Wohnzimmern. In Zeiten, in denen über Klimaschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit diskutiert wird, kommt die Frage auf: Gibt es einen ökologischen Weihnachtsbaum? Ja, sagt ein Freiburger Forstwissenschaftler: Es ist ein Baum aus der Region, der idealerweise ohnehin aus dem Wald entnommen werden muss. Im Schwarzwald ist das die Fichte. Das erklärt Jürgen Bauhus, Professor am Waldbau-Institut der Universität Freiburg. Das Institut beschäftigt sich mit der Steuerung von bewaldeten Ökosystemen zur Erreichung ökonomischer, ökologischer und sozialer Bewirtschaftungsziele. Forschende berücksichtigen dabei sowohl die Steuerung des Wachstums von Bäumen und der Entwicklung von Wäldern, wie auch die Auswirkungen waldbaulicher Maßnahmen auf Vegetation, Standort und Stoffhaushalt.
 
  • Die meisten Bäume kommen von Plantagen
Der Großteil der deutschen Weihnachtsbäume kommt nicht aus Wäldern, sondern aus angelegten Plantagen, auf denen die Bäume für den perfekten Wuchs und ein sattes Grün der Nadeln ausgiebig gedüngt werden. Bauhus bezieht sich bei seinen Aussagen auf seine Heimatregion, den Schwarzwald. Denn es gibt regionale Unterschiede im Hinblick auf ökologische Weihnachtsbäume: Im Schwarzwald ist von Natur aus die – in Deutschland nur im Süden vorkommende – Tanne verbreitet. Heute wächst hingegen in den Wäldern des Südwesten die Fichte am häufigsten. In Baden-Württemberg nimmt die Fichte circa 38 Prozent und die Tanne nur acht Prozent der Waldfläche ein. Die Fichte ist die Baumart der Kulturwälder, wie Bauhus sie bezeichnet: „Das Holz der raschwüchsigen Fichte wird für die meisten Verwendungszwecke bevorzugt. Deswegen wurde diese Baumart in der Vergangenheit stark aufgeforstet.“
 

Doch die Fichte bekommt zunehmend Probleme durch den Klimawandel. Sie verkraftet höhere Temperaturen und den damit einhergehenden verstärkten Befall von Schädlingen nicht gut. Im Gegensatz dazu ist die Tanne der ökologisch stabilere Baum. Aus dem Grund sollen im Schwarzwald wieder mehr Tannen als Fichten verjüngt werden. Somit könne aus ökologischer Sicht die Fichte unbedenklich als Weihnachtsbaum gekauft werden: „Denn die Fichte muss in jungen Waldbeständen sowieso für andere Baumarten Platz machen und daher entnommen werden.“ Es gibt aber mittlerweile an vielen Orten eine so üppige Verjüngung der Tanne, dass auch diese als Weihnachtsbaum genutzt werden kann. Dieser Trend werde sich in Zukunft sicherlich verstärken.

 

  • Unterschiede beim Wuchs

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Die Fichte kommt im Schwarzwald am häufigsten vor, die Tanne soll wieder gepflanzt werden: Aus ökologischer Sicht, können Menschen die Fichte ohne Bedenken als Weihnachtsbaum kaufen. (Foto: © LianeM / fotolia.com)

„Einen Punkt muss jeder berücksichtigen“, erklärt Bauhus: „Die Weihnachtsbäume aus natürlichen Waldbeständen werden selten so schön und dicht gewachsen sein wie die von den Plantagen.“ Aber je mehr Platz der Baum zwischen den Zweigen hat, umso mehr Weihnachtsschmuck können Menschen daran aufhängen. Eine Alternative zu Fichten oder Tannen aus dem heimischen Wald sind Weihnachtbäume aus ökologischem Anbau, also von Plantagen, die ohne den Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden auskommen. Diese sollten dann ein entsprechendes Ökosiegel oder Zertifikat besitzen.

Auch beim ökologischen Weihnachtsbaum gilt für den Freiburger Wissenschaftler die alte Weisheit: Der Baum sollte mit der ganzen Familie ausgewählt werden, damit – selbst wenn der Baum gerade ist – zum Fest nicht der Haussegen schief hängt.

Die Druckversion dieses Textes (pdf) finden Sie hier.

 

Porträt des Forschers

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Prof. Dr. Jürgen Bauhus

Jürgen Bauhus ist Professor für Waldbau und Dekan der Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften der Universität Freiburg. Er hat in Freiburg, Wien/Österreich und Göttingen studiert. Sein Diplom in Forstwissenschaften machte er 1989, seinen Doktor fünf Jahre später. Als Postdoc ging Bauhus für zwei Jahre ans Département de biologie, chimie et géographie der Université du Québec in Kanada. Zwischen 1996 und 2003 arbeitete er an der Australian National University als Senior Lecturer in den Bereichen Waldbau und Baumphysiologie. 2003 übernahm er den Freiburger Lehrstuhl für Waldbau und entwickelte ein Forschungsprogramm, in dem es um die Zusammenhänge zwischen Struktur, Komposition und Funktion von Waldökosystemen und deren Steuerung geht. Außerdem ist er wissenschaftlicher Beirat des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Sachen Agrarpolitik.

 

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