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Bollywood in der Karibik: Der Einfluss der Neuen Medien auf die englische Sprache

Die Erfindung des Buchdrucks war der Anfang, Youtube verändert und erweitert es: Prof. Dr Christian Mair, Professor für Anglistik an der Universität Freiburg, zeigt, wie abhängig das Standard- Englisch von den Medien ist.


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Vom Buchdruck zu Youtube: Die englische Sprache entwickelt sich stetig weiter. (© 3ddock / fotolia.com)

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Die englische Sprache ist reich an Varietäten. Dennoch gelten historisch bedingt nur zwei Varianten als weltweit anerkannte Standards: das Britische und das Amerikanische Englisch. Doch durch den Einfluss der modernen Medien als Kommunikationsmittel haben sich Änderungen ergeben, denen sich die Sprachforschung, so Mair, stellen muss.

 

  • Zäsur in der englischen Sprache

Digitale und interaktive Medien sorgen dafür, dass nicht mehr nur der britische und amerikanische Standard öffentlich sichtbar und global präsent sind, sondern auch zahlreiche Dialekte, die vormals nur in eng umgrenzten Regionen oder unter bestimmten ethnischen oder sozialen Gruppen in Gebrauch waren. Diese öffentliche, mediale Sichtbarkeit von Varianten jenseits der Hochsprache ist eine Zäsur für die zukünftige Form des Englischen.

 

  • Historische Entwicklung der Sprache in Abhängigkeit von den Medien

Die Standardisierung des geschriebenen Englisch beginnt im Spätmittelalter und wird bald darauf von der Einführung des Buchdrucks entscheidend gefördert. Auch für die zweite Stufe der Vereinheitlichung ist eine mediale Entwicklung verantwortlich: Radio, Film und Fernsehen leisteten einen wichtigen Beitrag, auch das gesprochene Englisch zu standardisieren. Der weltweite Siegeszug der amerikanischen Medienindustrie setzte sich bis in die frühe Phase des World-Wide-Web fort, und nicht wenige Beobachter fürchteten eine kulturelle Globalisierung, Verlust von sprachlicher Vielfalt und Homogenisierung der englischen Sprache nach amerikanischem Muster.

 

  • Youtube: Sprache als Herausstellungsmerkmal

Doch Interaktivität markierte die Wende: Schon die traditionellen Medien wie Radio und Fernsehen beziehen das Publikum und seine Sprache mit ein – in Live-Reportagen, Hörerbeteiligungssendungen und Talkshows. Für die neuen Medien ist Interaktivität geradezu ein Markenzeichen. Das Internetportal Youtube bringt diese Entwicklung mit seinem doppeldeutigen Motto „Broadcast Yourself“ auf den Punkt. Einerseits sagt es aus, dass jeder, der über einen Internetzugang verfügt, sein eigener Broadcaster werden kann. Andererseits heißt es auch: „Mache dich selbst der Welt bekannt.“ Und ein wirksamer Weg, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist, die eigene Sprache beizubehalten – nicht nur in der Familie oder der kleinen Gruppe, sondern im Video, im Webforum oder im Blog. Manche vormals verachtete Dialekte wurden so zum Symbol von populären Lifestyles und zur wirtschaftlichen Ressource. Rap und Hip Hop entstanden in den 1970er Jahren als Ausdrucksform benachteiligter afro-amerikanischer Jugendlicher in der New Yorker Bronx. Heute faszinieren Musik und Dialekt Jugendliche in der ganzen Welt. Kino-Welterfolge kommen nicht mehr nur aus Hollywood, sondern aus Bombay ("Bollywood") oder Nigeria ("Nollywood"). Und mit den Filmen verbreiten sich auch die in diesen Ländern vorherrschenden Formen des Englischen.

 

  • Keine Verbindung zwischen Dialekt und Region

Englisch ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine durch und durch plurizentrische Sprache geworden. Natürlich kann das nicht gleichgesetzt werden mit einer Gleichberechtigung der sprachlichen Varianten. Britisches und Amerikanisches Standardenglisch haben weltweit noch die größte Reichweite. Allerdings sind durch den Einfluss von Technologie und Medien auch sie offener geworden – für Einflüsse aus den ehemaligen Kolonien, aus anderen Dialekten und aus der Sprache von regionalen, sozialen und ethnischen Minderheiten. Nicht selten führt die mediale Verbreitung zur Auflösung der Verbindung zwischen Dialekt und Region, Mundart und Gemeinschaft oder Sprache und Nation: Weiße College-Studenten in den USA übernehmen Redensarten schwarzer Rapper, britische Stars singen mit amerikanischem Akzent und arabische Berliner rappen auf Deutsch.

Die Druckversion dieses Textes (pdf) finden Sie hier.

 

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Prof. Dr. Dr. Christian Mair

Seit 1990 ist Christian Mair Inhaber des Lehrstuhls für Englische Sprachwissenschaft an der Albert- Ludwigs-Universität Freiburg. Seine Forschung konzentrierte sich in den letzten zwei Jahrzehnten auf die korpusbasierte Beschreibung der Grammatik des heutigen Englisch sowie die Untersuchung der regionalen Variabilität und der aktuell ablaufenden Sprachwandelsprozesse in ausgewählten Standard- und Nichtstandardvarietäten. Seine Publikationen zu diesen Themen umfassen mehrere Monographien und mehr als 60 Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sammelbänden. Des Weiteren veröffentlichte er allgemeine Einführungen in die englische Sprache. Er war Gastprofessor an der University of Massachusetts at Amherst sowie an den Universitäten Santiago de Compostela, Basel und Zürich und ist seit Februar 2006 Mitglied des nationalen Wissenschaftsrats. In seinem aktuellen Forschungsprojekt am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) der Universität Freiburg verfolgt Mair gemeinsam mit seinem romanistischen Kollegen Stefan Pfänder das Ziel, gegenwärtige Prozesse der Diversifizierung sowie der plurizentrischen Standardisierung in den drei Weltsprachen Englisch, Französisch und Spanisch zu erforschen. Dabei erweitert er die traditionellen Forschungsschwerpunkte durch den Einbezug der computergestützten Kommunikation.

 

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Innerhalb der nordamerikanischen Geschäftswelt werden inzwischen auch indische Sprachformeln verwendet. In der englischen Jugendsprache, die international gesprochen wird, haben Bezeichnungen aus dem Afro-Amerikanischen bisherige Begriffe ersetzt.
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In der englischen Jugendsprache, die international gesprochen wird, haben Bezeichnungen aus dem Afro-Amerikanischen bisherige Begriffe ersetzt. In der englischen Jugendsprache, die international gesprochen wird, haben Bezeichnungen aus dem Afro-Amerikanischen bisherige Begriffe ersetzt.

 

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