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Liebesgrüße aus Moskau

Mit einem internationalen Master tauchen Studierende in die Sprache und Kultur Russlands ein

Freiburg, 17.01.2018

Liebesgrüße aus Moskau

Foto: scaliger/ Fotolia

Kulturelle Stereotypen hinterfragen, Denktraditionen kennenlernen und historische Hintergründe verstehen: Freiburger und Moskauer Studierende lernen im Master „Russlandstudien: Literatur, Geschichte und deutsch-russischer Kulturkontakt“, was das Land geprägt hat. Darüber hinaus entwickeln sie interkulturelle Kompetenzen, die bei einer Karriere in internationalen Institutionen behilflich sein könnten. Die Universität Freiburg bietet den Studiengang gemeinsam mit der Russischen Staatlichen Universität für Humanwissenschaften in Moskau an. Eine Serie stellt sieben weitere internationale Kooperationen vor.

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Interkulturelle Erfahrungen und Kompetenzen sind in der globalisierten Welt gefragt, nicht nur in Wirtschaft und Politik. Der Masterstudiengang „Russlandstudien: Literatur, Geschichte und deutsch-russischer Kulturkontakt“ bereitet die Studierenden auf diese Anforderungen vor. Was verbirgt sich hinter dem Angebot? Hervorgegangen aus dem 2008 begründeten Studiengang „Literaturwissenschaft international: Deutsch-russische Transfers“, macht bereits der neue Name deutlich, wohin die Reise geht: Die interdisziplinäre Ausrichtung wurde um die Geschichtswissenschaft erweitert, das heißt um die deutsch-russische Geschichte ab dem 18. Jahrhundert.

Den Alltag teilen

„Der Gedanke des Transfers ist allerdings als gemeinsamer Nenner geblieben“, erklärt Dr. Elke Schumann, die den Studiengang als wissenschaftliche Mitarbeiterin koordiniert. Dessen Leitung teilen sich Elisabeth Cheauré, Professorin für Slavische Philologie und Gender Studies, und Dietmar Neutatz, Professor für Neuere und Osteuropäische Geschichte an der Universität Freiburg. Ebenfalls an Bord ist das Deutsche Seminar.

Der deutsch-russische Kulturaustausch ist kein reines Etikett: „Er wird nicht nur theoretisch vermittelt, sondern auch praktisch gelebt“, bringt es die Koordinatorin auf den Punkt. Die Universität Freiburg bietet den Studiengang deshalb in Kooperation mit der Russischen Staatlichen Universität für Humanwissenschaften in Moskau an. Die Freiburger Studierenden lernen im zweiten Semester an der Hochschule, im dritten Semester kommen die Gäste aus Moskau. Fast ein Jahr lang besuchen sie gemeinsame Veranstaltungen und teilen den Alltag.

„Die Absolventinnen und Absolventen zeichnet aus, dass sie tief in die jeweils andere Kultur eintauchen“, berichtet Schumann. Zumal die Studierenden auch ihre Sprachkenntnisse in den vier Semestern vertiefen. Zwischen fünf und zehn Absolventen zählt ein Jahrgang insgesamt.

Spione und Literaten

Als Voraussetzung müssen Studierende – neben dem Bachelor in Slavisitik, Germanistik, Literatur- Kultur- oder Geschichtswissenschaft – drei Sprachen mitbringen: Englisch auf dem Niveau B1, Russisch B1 und Deutsch C1. „Außerdem sind überdurchschnittliche Studienleistungen zwingend erforderlich“, erläutert Schumann. Also mindestens Note 2,5 –  eher besser. Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert den Master.

Liebesgrüße aus Moskau oder Katharina die Große: Inhalte des Studiums sind, abgesehen von historisch-politischen Aspekten, der Rezeption deutschsprachiger Schriftstellerinnen und Schriftsteller und der geisteswissenschaftlichen Denktraditionen in Russland, auch dessen Bild in westlichen Filmen. Welche Rolle spielt beispielsweise der russische Spion im James-Bond-Klassiker? Solche Fragen stehen auch im laufenden Wintersemester auf dem Seminarplan. Darüber hinaus wird beispielsweise die russische Emigration ins Deutschland der 1920er Jahre, der frühe sowjetische Film oder das Revolutionsjahr 1917 thematisiert.

Die Absolventen können mit ihrem Doppelabschluss entweder eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen oder in kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Einrichtungen arbeiten, beispielsweise bei einer Nichtregierungsorganisation, beim Goethe-Institut oder im diplomatischen Dienst. Deutschland und Russland – im Moment sicher kein einfaches Verhältnis. Doch Elke Schumann ist sich sicher: „Gerade jetzt, wo es politisch schwierig ist, ist es umso wichtiger, Expertinnen und Experten für deutsch-russische Beziehungen auszubilden.“

Alexander Ochs

 

Russlandstudien: Literatur, Geschichte und deutsch-russischer Kulturkontakt

 ● Studienbeginn des Masters ist jeweils zum Wintersemester.

 ● Bewerbungen sind jeweils bis zum 15. Juli möglich.

 ● Die Studiendauer beträgt vier Semester.

 ● Ein Semester verbringen Freiburger Studierende an der Russischen Staatlichen Universität für Humanwissenschaften in Moskau.

Weitere Informationen

 

„Ich finde die Idee der deutsch-russischen Literaturbeziehungen und Kulturkontakte faszinierend. Unser Studiengang ist sehr gut aufgebaut, und dank einem Semester an der Universität Freiburg habe ich schon Kontakte mit einigen Professorinnen und Professoren sowie Studierenden knüpfen können. Für mich persönlich wäre es interessant, im Bereich des Kulturtransfers zu promovieren und an der Universität zu bleiben.“
Ekaterina Grineva studiert an der Russischen Staatlichen Universität für Humanwissenschaften in Moskau. Foto: Patrick Seeger

 

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„Mich überzeugt, dass man an zwei Universitäten vollwertig studiert. Das bekommt man meines Erachtens sonst so nicht. Russland ist ein faszinierendes Land, schon deswegen macht das Studium Spaß. Ich hätte davor nie geahnt, wie tiefgreifend der gegenseitige Einfluss von Russland und Deutschland in Literatur, Kunst und Politik ist.“
Jan Schaldach studiert an der Albert-Ludwigs-Universität. Foto: Patrick Seeger