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Rektor Jäger: "Erhalt der Fächerbandbreite ist richtig!"

Jahresbericht vor dem Senat: Richtige Strukturentscheidungen sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Universität

Freiburg, 23.07.2003

Eine Situationsanalyse der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg vor dem Hintergrund der sich verändernden hochschulpolitischen Lage im Bund und im Land Baden-Württemberg stand im Mittelpunkt seiner Rede zum Jahresbericht, die der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Jäger, am heutigen Mittwoch, den 15. Juli 2003, vor dem Senat der Alberto Ludoviciana hielt. Rektor Jäger: "Es stehen gravierende Veränderungen ins Haus. Unsere Rahmenbedingungen werden gleich auf drei zentralen Feldern umgestaltet: im Zuge der HRG-Novelle, im Besoldungsrecht und bei der Schaffung eines hochschularten-übergreifenden Universitätsgesetzes". Diese Situation zwinge die Albert-Ludwigs-Universität zu Strukturentscheidungen, um langfristig deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Mit der Umsetzung des neuen Fakultätenzuschnitts von 15 auf elf Fakultäten sowie der Fortschreibung des Struktur- und Entwicklungsplanes habe die Albert-Ludwigs-Universität damit begonnen, ihre Hausaufgaben zu machen.

Gerade der Fortschreibung des Struktur- und Entwicklungsplans der Albert-Ludwigs-Universität, so Rektor Jäger, komme eine besondere Bedeutung zu, weil auf dieser Basis alle zukünftigen Strukturentscheidungen des Landes und der Universitäten fallen werden. Als Beispiel dafür führte Jäger die gegenwärtige Diskussion um die so genannten kleinen Fächer an. Auf Initiative des Ministerpräsidenten sei die Landesrektorenkonferenz beauftragt worden, für kleine Fächer ein Konzentrationskonzept zu entwickeln. Auf diese Weise wolle man Doppelungen vermeiden und "Leuchttürme" der Forschung und Lehre schaffen. Die Albert-Ludwigs-Universität könne sich dieser Diskussion selbstbewusst stellen: "Unsere als klein definierten Fächer haben einen wichtigen Stellenwert im Kanon unserer Fächerbreite als prägendes Profil unseres Struktur- und Entwicklungsplanes und sind daher in Freiburg unverzichtbar. Wir können gegenüber der Politik und letztlich auch gegenüber dem Steuerzahler doch nur dann erfolgreich für den Verbleib der Fächer und unserer Universität argumentieren, wenn diese ein entsprechendes Leistungsprofil ausweisen". Dazu gehöre, so der Rektor vor dem Senat, dass sich die Fächer innerhalb und außerhalb der Universität mit anderen Fächern und Institutionen vernetzen, interdisziplinär arbeiten und die Chancen zur internationalen Kooperation nutzen. Freiburg verfüge durch die Grenznähe und die hervorragenden Kontakte zu schweizerischen und französischen Universitäten, etwa im Rahmen von EUCOR, der Europäischen Konföderation der Oberrheinuniversitäten, über einen hervorragenden Standortvorteil.

Nachdrücklich erinnerte Rektor Jäger daran, dass der Struktur- und Entwicklungsplan der Universität auch die Basis für Zielvereinbarungen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) in Stuttgart sei. Die Universität habe dem MWK gegenwärtig drei Zielvereinbarungsangebote zur Entscheidung vorgelegt: zur Medienentwicklung, zur Netzwerkbildung in den Geisteswissenschaften und zur Gründung eines Zentrums für Biosystemanalyse (ZBSA).

Vor dem Hintergrund der unabhängigen Rankings in den letzten Monaten könne die Albert-Ludwigs-Universität, so Rektor Jäger, mit Stolz auf ihre Leistungen schauen. So rangiere man beim Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) vom November 2002 neben Berlin und München unter den drei TOP-Forschungsuniversitäten in Deutschland. In dem vom CHE in der Zeitschrift "Stern" im April 2003 vorgelegten Hochschulranking der Studienbedingungen liegen gleich neun Fächer der Alberto Ludoviciana auf einem Spitzenplatz. Auch in der Förderrangliste der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vom Juni 2003 rangiere die Universität Freiburg wiederum auf den vorderen Plätzen, gemessen an den Fördermitteln pro Professorin oder Professor hinter München sogar an zweiter Stelle. Besonders erfreulich sei, dass sowohl Natur- als auch Geisteswissenschaften und die Medizin gut bei diesen Bewertungen abschneiden. Jäger: "Dies unterstreicht, dass wir mit unserer Strukturentscheidung für den Erhalt der Fächerbandbreite richtig liegen".

Kritisch setzte sich der Rektor vor dem Senat der Universität mit dem neuen Besoldungsrecht sowie der Erhöhung des Lehrdeputats auseinander: Im Besoldungsrecht solle den Universitäten künftig die Möglichkeit zufallen, Zulagen zur künftig einheitlichen Professorenbesoldung nach W3 zu gewähren. Angesichts der Deckelung der hierfür verfügbaren Finanzmittel in Höhe der heute für die Gehälter bereitstehenden Mittel, müsse man aber davon ausgehen, dass der Universität zu Beginn des neuen Verfahrens keine großen Spielräume bleiben. Dennoch stehe das Rektorat vor der schwierigen Aufgabe, ein System für die gerechte und leistungsfördernde Gewährung von Zulagen zu entwickeln.

Vorgesehen sei außerdem eine Erhöhung des Lehrdeputats für Professorinnen und Professoren sowie für den Mittelbau um jeweils eine Unterrichtsstunde. Darüber hinaus sehe der Entwurf der Lehrverpflichtungsverordnung des Landes eine Flexibilisierung der Lehrverpflichtungsstunde zwischen sechs und zwölf vor. Im Ergebnis könne es dann Professoren geben, die sich fast ausschließlich entweder der Lehre oder der Forschung widmen könnten. Jäger: "Wir lehnen dies ab und halten an der Einheit von Forschung und Lehre auch für jeden einzelnen Professor und für jede Professorin fest. Im Übrigen marginalisiert bereits die Erhöhung des Deputats auf neun Stunden, umso mehr auf bis zu zwölf Stunden, den ohnehin geringen Anteil der Forschung an der Arbeitszeit der Hochschullehrer". Berechnungen der Juristischen Fakultät und der Fakultät für Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften zeigten, dass die Forschung nach Erledigung aller anderen Verpflichtungen im besten Fall gerade noch einen Anteil von zehn Prozent der Arbeitszeit ausmache. So könne die Forschung nur noch in der Freizeit stattfinden. Letztlich gefährdeten diese Pläne die Zukunftschancen des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Konkurrenzfähigkeit der baden-württembergischen Universitäten und den Forschungsstandort Deutschland. Rektor Jäger machte eindrücklich klar, dass die Deputatserhöhung auch eine Erhöhung der Kapazität in der Lehre nach sich ziehe, die wiederum Fragen nach der räumlichen und sächlichen Ausstattung aufwerfe. Obwohl die Landeslehrverpflichtungsordnung noch gar nicht in Kraft getreten sei, seien die Universitäten bereits aufgefordert, auf dieser Basis neue Kapazitätsberechnungen für die Zulassungen zum Wintersemester 2003/2004 anzustellen. Rektor Jäger: "Wir sehen uns daher bereits jetzt gezwungen, ohne Rechtsgrundlage Studierende auf künftig zusätzlich bereitzustellende Studienplätze zuzulassen. Das geplante Anhörungsverfahren zur Lehrverpflichtungsverordnung wird dadurch zur Farce!".

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