Kalzium-Ionen kodieren Informationen
Biologen der Universität Freiburg entdecken wichtigen Baustein der Signalleitung von Pflanzen – Veröffentlichung im „PNAS“
Freiburg, 03.12.2008
Wenn Pflanzen durch äußere Umwelteinflüsse gestresst sind,
passen sie sich den veränderten Bedingungen an. Um die Informationen für die
Veränderung an ihre Zellkerne zu leiten, nutzen sie Kalzium-Ionen. Biologen der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg um
Privatdozent Dr. Wolfgang Frank und Prof. Dr. Ralf Reski entdeckten ein Protein, das
an der schnellen Weiterleitung der Informationen an den Zellkern beteiligt ist.
Ihre Erkenntnisse wurden in der aktuellen Online-Ausgabe der renommierten
Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA
(PNAS)“ veröffentlicht.
Der globale Klimawandel führt zu immer größeren Wetterextremen wie Stürmen,
Überflutungen, Hitze und Trockenheit. Gleichzeitig führt die intensive
Landwirtschaft zu einer Versalzung der Ackerböden. Diese Extreme bedeuten für
uns alle abiotischen Stress. Pflanzen sind hiervon besonders betroffen, weil
sie vor extremen Wetterbedingungen nicht davonlaufen können. Deshalb haben sie
im Laufe ihrer Evolution Mechanismen
entwickelt, um sich vor solchen Stressbedingungen zu schützen. Um diese
Schutzmechanismen aktivieren zu können, müssen Pflanzen beispielsweise erhöhte
Salzkonzentrationen im Boden bemerken und diese Information über eine schnelle
Signalleitung an ihre Zellkerne, die Horte ihrer genetischen Information,
melden. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass bei vielen Reizleitungen sowohl im
Pflanzen- als auch im Tierreich Kalzium-Ionen eine wichtige Funktion erfüllen.
Dabei kommt es innerhalb der Zellen zu sehr schnellen Veränderungen der
Konzentration dieser Kalzium-Ionen. Diese rhythmischen Veränderungen bilden
bestimmte Muster aus, die die Information kodieren.
Die Biologen der Universität Freiburg berichten zusammen mit britischen
Forschern in der aktuellen Online-Ausgabe der PNAS von der Entdeckung eines
Proteins, einer sogenannten Ca2+-ATPase, aus dem Kleinen
Blasenmützenmoos (Physcomitrella patens), das zentral an dieser schnellen
Signalleitung beteiligt ist. Der Originaltitel der Veröffentlichung lautet „A PIIB-type
Ca2+-ATPase is essential for stress adaptation in Physcomitrella patens”. Neben PD Dr. Wolfgang Frank und Prof. Dr. Ralf Reski arbeiteten Enas Qudeimat, Dr. Alexander M.C. Faltusz, Dr. Glen
Wheeler, Daniel Lang und Prof. Colin Bronwlee an dem Projekt mit.
Nach einem sogenannten „Spike“
pumpt das Protein Ca2+-ATPase überschüssige Kalzium-Ionen aus dem
Zytoplasma in die als „Vorratsbehälter“ in den Mooszellen fungierenden kleinen
Vakuolen. Diese Zellorganellen unterscheiden sich von der lang bekannten
Zentralvakuole und wurden erst vor kurzem entdeckt. Ihre Funktion innerhalb der
Pflanzenzelle war zunächst nicht bekannt. Somit ist die neu entdeckte
pflanzliche Kalzium-ATPase zentral an der Ausbildung des Kalziummusters in der
Zelle beteiligt. Moose, in denen die Freiburger Biologen dieses Protein gezielt
ausgeschaltet hatten, konnten auf erhöhten Salzkonzentrationen nicht überleben.
Die Forscher der Universität Freiburg hoffen nun, dass sich das neue
Wissen auf Nutzpflanzen übertragen lässt, um sie so widerstandsfähiger
gegenüber versalzten Böden zu machen. Versalzte Böden sind besonders in
Entwicklungsländern ein großes Problem.
Gefördert wurden die Arbeiten der Freiburger Biologen von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) über die Freiburger Initiative für Systembiologie (FRISYS) sowie der
Exzellenzinitiative von Bund und Ländern über das Zentrum für Biologische
Signalstudien (bioss). Die Erstautorin der Veröffentlichung, Enas Qudeimat, ist eine Stipendiatin
des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD).
Prof. Dr. Ralf Reski
PD Dr. Wolfgang Frank
Fakultät für Biologie
Lehrstuhl Pflanzenbiotechnologie
Tel.: 0761/203-6968
Fax: 0761/203-6967
E-Mail: pbt@biologie.uni-freiburg.de
www.plant-biotech.net
