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Gedichte vor dem Kadi

Nach jahrelangem Rechtstreit entscheidet der BGH im Fall der „Freiburger Anthologie“ endgültig zugunsten der Universität Freiburg

Freiburg, 07.10.2009

Sie suchen die 1000 wichtigsten Gedichte in der deutschen Literaturgeschichte? Von Ernst Moritz Arndt bis Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio? Nicht verzagen: die „Freiburger Anthologie“ des Deutschen Seminars der Universität Freiburg löst Ihr Problem. Und das Ganze findet man als geschützte Datensammlung für jedermann und –frau (oder Schulklasse) zugänglich im Internet.

 

In jahrelanger Arbeit hatte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Knoop die wichtigsten deutschsprachigen Anthologien ausgewertet und deren „wichtigsten“ Gedichte in der Sammlung der „Freiburger Anthologie“ im Internet veröffentlicht. Eine ideale Hilfestellung für jeden Laien, der sich in kürzester Zeit am PC einen qualitativ abgesicherten Überblick über die deutsche Poesie verschaffen möchte.

 

Dass man mit diesem Freiburger Angebot auch Geschäfte machen und sich selbst Arbeit sparen kann, liegt auf der Hand. Das dachte sich anscheinend auch ein Berliner Medien-Verlag, der im Jahre 2004 in seiner Reihe „Wissen kompakt“ eine Zusammenstellung der „1000 Gedichte, die jeder haben muss“ herausgegeben hat. Diese ist beinahe identisch mit der „Freiburger Anthologie“. 87 Goethegedichte hier und die gleichen 87 dort. Zunächste wurde diese Übereinstimmung von Seiten des Verlags als Zufall hingestellt, „gleiche Kriterien“. Doch als die „Freiburger Anthologie“ ihre unveröffentlichte Statistik für den Zeitraum 1900 bis 1933 mit den Gedichten des Verlages aus diesem Zeitraum verglich, da merkte man schnell, dass die „gleichen Kriterien“ genau dort aufhörten, wo die „Freiburger Anthologie“ ihre Forschungsergebnisse im Internet präsentierte.

Die Uni klagte gegen das Geschäftsgebaren des Verlages und bekam nun endgültig vor dem Bundesgerichtshof Recht. Der Verlag muss die Verbreitung der CD unterlassen, die noch vorhandenen CDs der Universität zum Zwecke der Vernichtung herausgeben und Schadenersatz leisten. Die Richter stellten fest, dass es sich bei der „Freiburger Anthologie“ des Projekts „Klassikerwortschatz“ zweifellos um ein urheberrechtlich geschütztes Sammel- und Datenbankwerk handelt. Ob es jemals zu einer Schadensregulierung kommen wird, ist fraglich. Die einstmals große Berliner Verlags-GmbH wurde 2008 nach Rumänien verkauft.

 

Dieser endgültigen Entscheidung ging ein jahrelanger Rechtstreit voraus, der es bis vor den Europäischen Gerichtshof brachte. Mit der Entscheidung des obersten deutschen Gerichtshofs endet nicht nur eine juristische Auseinandersetzung, es wurden zudem die deutsche Rechtsprechung an die europäischen Vorgaben angepasst und prinzipielle Fragen des Datenbankrechtes geklärt.

 

 

Informationen zum Urteil:
http://www.telemedicus.info/article/1478-BGH-Gedichttitelliste-III.html

 

 

 

 

 

Kontakt:
Klemens Bobenhausen
klemens.bobenhausen@germanistik.uni-freiburg.de
„Freiburger Anthologie“
www.freiburger-anthologie.de

 

 

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